Auf der Bühne des Theaters Basel wird ein linker Traum real: Die als fremdenfeindlich geltenden Schweizer wollen eine Ausländerin loswerden – und treffen dabei den Nagel auf den Kopf.
Die Wirklichkeit hält sich selten an Drehbücher. Lange Zeit wurde der alte weiße Mann für Rechtsextremismus verantwortlich gemacht, nun steht an der Spitze der AfD eine lesbische Frau mit einer dunkelhäutigen Partnerin und zwei Kindern. Dieses bunte Familiengemälde könnte in jeder Diversitätsbroschüre als Paradebeispiel dienen.
Ein ideales Szenario für eine Komödie, die Vorurteile der selbst ernannten Weltoffenen aufs Korn nimmt. Der Titel des Stücks, «Die weisse Madonna von Einsiedeln», ist eine Anspielung sowohl auf den Wohnort Weidels in der Schweiz als auch auf die Schwarze Madonna in der dortigen Wallfahrtskirche.
Vorstellungsbeginn offenbart jedoch schnell das übliche Haltungstheater gegen rechts. Der Programmzettel erklärt: «Populist:innen lieben simple Erzählungen». Die Vorurteile und einfachen Erzählungen existieren anscheinend nur bei anderen.
Im Theaterstück von Fatima Moumouni und Laurin Buser tritt ein muslimischer Restaurator nach Einsiedeln, um die von einem afghanischen Flüchtling beschädigte Schwarze Madonna wiederherzustellen. Dies basiert auf einem realen Vorfall: 2024 betrat ein verwirrter Asylbewerber das Kloster und beschädigte die Statue.
Der Restaurator, Tarik Berger genannt, erlebt im Dorf Paranoia wegen eines angeblich aus dem Ausland stammenden Wolfsrudels. Zudem herrscht Unruhe wegen der Anwesenheit von Alice Weidel und ihrer Familie.
Die Bewohner sind gespalten: Ideologisch sympathisieren sie mit ihr, doch ihre lesbische Beziehung sorgt für Empörung. Ein Video zeigt das Küssen zwischen Weidel und ihrer Partnerin – echt oder künstlich generiert, bleibt unklar. Eine Elternversammlung in der Schule eskaliert, da eine Mutter Weidels Einfluss als politische Unterwanderung kritisiert.
Die Präsenz von Sicherheitsleuten und Journalisten stört die Dorf-Idylle und ruft Missgunst hervor. Das Stück besteht aus zahlreichen kurzen Szenen, wobei zwei Schauspielerinnen und ein Schauspieler alle Rollen wechseln.
Die Bühne wird am Ende mit Schlamm überschwemmt – das Dorf versinkt im Dreck. Eine Satire auf Politiker außerhalb des linken Spektrums kommt nicht zu kurz: Ein Einsiedler bemerkt ironisch über Weidel, dass es um die Farbe Braun geht.
Die Stimmung wendet sich gegen Weidel, und eine Volksinitiative für ihre Ausschaffung gewinnt an Popularität. Nur die SP zeigt Zögern, da Weidels Sexualität in Frage steht.
Alle Figuren erscheinen als überzeichnete Hinterwäldler, das Dorfleben wird lächerlich dargestellt, durchtränkt von fremdenfeindlicher Ideologie. Tarik Berger ist die einzige vernünftige und unbescholtene Figur.
Das Premierenpublikum applaudiert und lacht – eine Bestätigung ihrer eigenen politischen Ansichten.