Ein etwa 15 Meter breiter, absenkbare Lastkahn, gezogen von Schleppern und momentan auf dem Weg aus Hamburg, wird für den Versuch genutzt, den gestrandeten Wal Timmy zu befreien. Sein Eintreffen ist ungewiss, mit einem geplanten Zwischenstopp in einer Wismarer Werft vor der Ankunft. Das Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern verzichtet auf Details bis zur Lagebesprechung.
Die Barge bewegt sich mit fünf Knoten, rund neun Kilometern pro Stunde, und muss den Nord-Ostsee-Kanal passieren, wie es die Initiative angibt. Fred Babbel von einem beauftragten Baggerunternehmen verkündete, dass eine 110 Meter lange, zehn Meter breite und zwei Meter tiefe Rinne vom aktuellen Walstandort bis zum Fahrwasser freigebaggert werden soll – ein Projekt, das in etwa zwei Tagen abgeschlossen sein könnte. Ein weiterer Bagger, der bei der Strandung vor Timmendorfer Strand eingesetzt wurde, ist für heute oder morgen erwartet.
Über den genauen Ablauf des Transports durch die Rinne äußerte sich Babbel nicht, jedoch besteht die Möglichkeit zur Freilassung oder alternativen Transportmethoden. Die nächsten Schritte nach dem Baggervorgang werden noch abgestimmt.
Frühmorgens waren Helfer erneut am Wal, der weiterhin in einer freigespülten Kuhle am Kirchsee liegt. Ein Teammitglied berichtete der Deutschen Presse-Agentur (dpa), dass der Wal die Nacht über ruhig war.
Seitdem das Tier vor Poel angespült wurde, herrscht dort viel Trubel und Lärm um den geschwächten Meeressäuger. Karen Stockin von der Massey University in Neuseeland erläutert im Wissenschaftsmedium “The Conversation”, dass die Missachtung wissenschaftlicher Empfehlungen zugunsten öffentlichen Drucks das Schutzziel untergraben kann.
Die Nachfrage nach Büchern über Wale, wie z.B. “Die Schnecke und der Buckelwal” von Julia Donaldson und Axel Scheffler, hat in Deutschland seit März stark zugenommen, so Media Control gegenüber der dpa. Im Wildtiermanagement impliziert wahrer Fürsorge manchmal die schwierige Entscheidung zur Zurückhaltung, wenn keine Genesung möglich ist, wie Stockin betont. Emotionale Reaktionen sind bei großen Tieren wie Wälen häufig.
Frances Gulland, Wal-Expertin und Spezialistin für Meeressäuger, erklärte dem “Spiegel”, dass das gezielte Beeinflussen von Walverhalten kaum möglich ist. 2007 war sie an Rettungsaktionen im Sacramento River beteiligt, bei denen verschiedene Methoden wie Geräusche ohne Erfolg versucht wurden. Erst als die Taten ruhten, schwammen die Wale ins Meer.
SRF 4 News, 20.04.2026, 9 Uhr; dpa/lehl;barj