Drohnen dominieren den Luftraum in modernen Konflikten, doch auch am Boden gewinnen sie an Bedeutung. Besonders im Donbass werden fahrende Roboter nicht nur für Transportaufgaben genutzt, sondern zunehmend für tödliche Einsätze eingesetzt.
Ein Video der ukrainischen 32. mechanisierten Brigade zeigt die Fernsteuerung eines Kampfdrohnenangriffs: Zwei Soldaten werden über eine Wiese anvisiert und von einem ferngesteuerten Fahrzeug beschossen, das zu Boden stürzt. Dieses Video könnte als erster Nachweis dienen, dass Bodendrohnen im Kampf erfolgreich eingesetzt werden.
Während Luft- und Seedrohnen bereits millionenfach zum Einsatz kommen, sind Bodendrohne (unmanned ground vehicles) bislang weniger bekannt. Die Technologie zielt darauf ab, Soldaten Risiken zu ersparen, indem Maschinen ferngesteuert werden. Mit der zunehmenden Transparenz des Schlachtfelds durch Aufklärungsdrohnen gewinnen Bodendrohnen an Relevanz.
Seit 2023 experimentieren die Ukrainer mit Bodenrobotern und haben nun eine breite Palette von Modellen entwickelt, sowohl auf Rädern als auch auf Ketten. Das Verteidigungsministerium verzeichnete in der letzten Monatsbilanz nahezu 9000 Einsätze solcher Roboter – ein Anstieg im Vergleich zum November.
Ein besonderer Fokus liegt nun auf bewaffneten Bodendrohnen wie dem Typ Droid TW-7.62, einem Raupenfahrzeug mit Maschinengewehr. Präsident Wolodimir Selenski berichtete kürzlich von einem historischen Vorfall, in dem ein solcher Roboter eine Gruppe russischer Soldaten zur Kapitulation zwang. Ein weiteres Video zeigt die gleichzeitige Nutzung eines Droid-Roboters und einer Überwachungsdrohne, um auf den Standort eines feindlichen Soldaten zu schießen.
Verteidigungsminister Michailo Fedorow kündigte an, im ersten Halbjahr 25.000 Bodendrohnen anzuschaffen, wobei der Schwerpunkt weiterhin auf Versorgungsaufgaben liegt. Die ukrainische Rüstungsindustrie baut diesen Bereich rasch aus.
Auch Russland setzt seit Jahren auf Entwicklungen dieser Art und nutzt unter anderem die Transportdrohne «Kurjer» für verschiedene militärische Zwecke, darunter Sturmangriffe. Trotzdem scheint die Ukraine in diesem technologischen Bereich einen Vorsprung zu haben.
Ukrainische Militärvertreter betonen jedoch, dass Roboter Soldaten nicht vollständig ersetzen können. Drohnen stoßen an Grenzen in schwierigem Terrain und benötigen ständige Aufmerksamkeit durch begrenzt verfügbare Piloten. Zudem weist ein jüngster Skandal auf Probleme bei der Logistik hin.
Russische Flugdrohnen zielen auch auf Bodendrohnen, was deren Einsatz lebensgefährlich macht. Ein ukrainischer Militärtechniker sieht in dieser Entwicklung eine Strategie zur Ausgleichung des Größenunterschieds zu Russland. “Wir müssen gewitzter sein als unser Feind”, so der Spezialist namens Olexi, und Bodendrohnen bieten diese Möglichkeit.