Die USA verzichten vorerst auf eine Erhebung von 25 Prozent Zoll auf Fahrzeuge aus der EU. Der amerikanische Präsident zeigt sich geschwächt, dennoch sollten die Europäer nicht triumphieren. Eine zentrale Frage ergibt sich für Europa: Wer verhält sich strategisch klüger gegenüber Donald Trump? Nato-Generalsekretär Mark Rutte schmeichelt und bezeichnete Trump sogar als «daddy», während Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz kritische Kommentare abgibt, die Trumps Unmut auf sich ziehen.
Trump drohte am 1. Mai mit einem 25-Prozent-Zoll auf EU-Fahrzeuge, ausgelöst durch Ärger über Kanzler Merz und die EU, welche die Umsetzung der Handelsvereinbarung von Juli 2025 verzögert. Eine solche Maßnahme würde vor allem Deutschlands Autoindustrie treffen, die ohnehin keinen wirtschaftlichen Sinn in einer verstärkten Produktion in den USA sieht.
Ein Lichtblick für Europas Industrie ist jedoch das Ausbleiben des Zolls. Trump gewährt bis zum 4. Juli Zeit zur rechtlichen Umsetzung der Handelsvereinbarung. Europäer sollten sich nun konzentrieren, ohne Trump zu reizen, da er impulsiver wird, je näher die Zwischenwahlen rücken. Ein amerikanisches Gericht hat zudem am Donnerstagabend entschieden, dass Trumans globale Zölle über 10 Prozent illegal sind.
Trumps Zolldrohung ist ein Zeichen der Schwäche und strategisch nicht durchdacht. In den USA würde eine europäische Autofertigung kaum Wirkung zeigen. Sollte Trump die Abgabe wirklich einführen, könnte dies bei seinen Wählern auf Ablehnung stoßen.
Angesichts einer sich global verschlechternden wirtschaftlichen Lage verlieren Trumans Drohungen an Schärfe, da die US-Wirtschaft Stimuli benötigt, nicht höhere Kosten durch Zölle. Für Europa ist dies der optimale Zeitpunkt, um die Handelsvereinbarung ruhig zu vollenden. Bei weiterem Druck seitens Trumps sollten europäische Politiker eher Ruttes Vorgehen als Merzes Kritik anstreben – eine Mischung aus Schmeichelei und seriöser Arbeit könnte der Schlüssel sein, ohne sich dem sinnlosen Heldentod hinzugeben.