Der britische König hat seinen offiziellen Besuch in Washington begonnen, der heute mit einem militärischen Empfang im Weißen Haus und einem bilateralen Treffen mit US-Präsident Donald Trump fortgesetzt wird. Danach wird König Charles vor dem amerikanischen Kongress sprechen, bevor ein großes Staatsbankett den Abend krönt. Barbara Colpi, Korrespondentin von Radio SRF seit Juli 2022 und zuvor als Redaktorin tätig, erläutert die politische Bedeutung des Besuches sowie das Ziel hinter dem Pomp.
Barbara Colpi ist seit 2005 bei Radio SRF beschäftigt. Sie begann ihre Karriere in der Sportredaktion und wurde später stellvertretende Leiterin. Im Frühjahr 2016 wechselte sie als Korrespondentin nach Lausanne, wo sie bis heute tätig ist.
Der Besuch steht stark im Zeichen von Großereignissen, wird jedoch durch Sicherheitsbedenken aufgrund eines jüngsten Schussvorfalls in Washington überschattet. Donald Trump sieht die Gelegenheit, sich an der Seite der Monarchie als globaler Staatsmann darzustellen und so von innen- wie außenpolitischen Herausforderungen abzulenken. Er ist ein bekennender Bewunderer der britischen Krone und betont häufig seine schottische Abstammung.
Dieses erste USA-Besuch des Königs in seiner neuen Rolle fällt in eine Zeit, in der die transatlantischen Beziehungen unter Spannung stehen. Der symbolische Aufwand – ein Staatsbankett, Gartenparty, militärische Ehren und besonders die Kongressrede von König Charles, die zweite eines britischen Monarchen überhaupt – zielt darauf ab, die «Special Relationship» zu stabilisieren. Zeitlich fällt der Besuch in das 250-jährige Jubiläum der US-Independence Day.
König Charles nutzt seine formale Neutralität als „Soft-Power“-Diplomat, um hinter verschlossenen Türen Einfluss zu nehmen. Die Beziehungen zwischen den USA und Großbritannien sind momentan ungewöhnlich angespannt, vor allem wegen des Konflikts im Iran. Trump kritisiert öffentlich die Weigerung Großbritanniens zur militärischen Beteiligung sowie Differenzen in NATO-Verpflichtungen und wirtschaftspolitischen Themen wie der Digitalsteuer.
Beide Seiten werden das Thema Epstein-Affäre umgehen, da es sowohl Trump als auch die britische Monarchie belastet. Die Verbindungen zwischen dem verurteilten Sexualstraftäter Epstein und Andrew Mountbatten-Windsor, Bruder des Königs, schädigen den Ruf der Krone. Charles hat jedoch abgelehnt, Opfern von Epstein zu begegnen und sich mit ihnen auszutauschen.