Eine Entscheidung, die der Stadt Zürich teuer zu stehen kommt: Aufgrund eines Rekurrenten wird die Aemtlerwiese vorübergehend begrünt. Bis zum Beginn der Sommerferien soll das Projekt abgeschlossen sein, wie das städtische Amt für Hochbauten bekannt gibt.
Aktuell steht ein Zaun auf der Aemtlerwiese beim gleichnamigen Schulhaus in Zürich Wiedikon und verdeckt einen Haufen Bauschutt über 3600 Quadratmetern. Baumaschinen sind seit Monaten nicht mehr zu sehen, stattdessen wuchert dort Unkraut. Auf der anderen Seite der ehemaligen Grünfläche bei der Tartanbahn vor dem Schulhaus ist eine Bauwand mit Graffiti geschmückt worden und eine Tafel verkündet: «Rasen gesperrt».
Das Fussballfeld nahe des Friedhofs Sihlfeld funktioniert nur noch eingeschränkt. Doch bis zum Beginn der Sommerferien soll hier alles wiederhergestellt sein: Der Bauschutt wird entfernt und ein neuer Rollrasen verlegt werden, wie das Amt für Hochbauten am Montag mitteilte. Die Kosten dafür belaufen sich auf 480 000 Franken.
Der Grund für die vorübergehende Wiederherstellung: Das eigentliche Bauvorhaben ist durch Rekurse blockiert und liegt beim Zürcher Verwaltungsgericht, dessen Entscheidungen ungewiss sind. Die Stadt hat daher entschieden, den Zustand der Aemtlerwiese vorübergehend zu verbessern.
Bauen in Zürich erweist sich als kompliziert: Selbst weitgehend unbestrittene Projekte können durch Rekurse über Monate oder sogar Jahre verzögert werden. Dies betrifft auch die Schulhäuser Aemtler A und Aemtler B aus dem Jahr 1908, erbaut von Gustav Gull, Zürichs einflussreichstem Architekt der Jahrhundertwende. Diese Gebäude sind in das Inventar der kunst- und kulturhistorischen Schutzobjekte von kommunaler Bedeutung aufgenommen worden.
Trotz ihrer historischen Bedeutung müssen die Schulhäuser saniert werden: Dachsanierungen, Innenraumrestaurierungen, Brandschutzverbesserungen und technische Aktualisierungen stehen an. Die Gebäude sollen barrierefrei zugänglich gemacht sowie erweiterte Küchen- und Betreuungsräume geschaffen werden. Ursprünglich sollten Bohrungen für Erdsonden auf der Aemtlerwiese stattfinden, um die Energieversorgung durch Wärmepumpen zu ermöglichen.
Doch dieser Plan wurde durch den Rekurrenten gestoppt, der Einsprache gegen das Vorhaben eingelegt hat. Der Fall liegt nun beim Verwaltungsgericht und es besteht die Möglichkeit weiterer Rechtsmittel bis hin zum Bundesgericht.
Die Stadt Zürich reagiert auf diese Situation mit der vorübergehenden Begrünung, um den Unmut in der Nachbarschaft zu minimieren. Die Aemtlerwiese war nach dem Scheitern des Baurekursverfahrens und den rechtlichen Hindernissen eine brachliegende Fläche.
Das sogenannte Meldeverfahren für die Wärmepumpenprojekte hatte zur Folge, dass Anwohner erst von den Bauarbeiten erfuhren, als die Maschinen bereits vor Ort waren. Das Baurekursgericht wies die Beschwerden zurück, da der Rekurrent nicht legitimiert sei.
Die Entscheidung für eine Wiederbegrünung wurde getroffen, um Unmut im Quartier zu vermeiden und potenzielle Kritik an den städtischen Verantwortlichen abzuwenden. Trotz des hohen finanziellen Aufwands von fast einer halben Million Franken wird das Projekt durchgeführt.