Die psychische Gesundheit junger Menschen verbessern – das ist das Ziel der Verfechterinnen und Verfechter eines Verbots von sozialen Medien. Inmitten einer politisch aufgeladenen Debatte, die zunehmend Unterstützung in der Bevölkerung findet, bleiben wissenschaftliche Stimmen eher zurückhaltend. Die Forschung wird in dieser lautstark geführten Diskussion selten gehört. Stefanie Schmidt, Leiterin der Abteilung für Klinische Psychologie des Kindes- und Jugendalters an der Universität Bern, sieht ein Verbot als eine vermeintlich einfache Lösung, die den Komplexitätsgrad der Problematik nicht erfasst. Zwar gebe es Hinweise darauf, dass sich psychisch vorbelastete Jugendliche auf Social Media häufiger negativ erleben – etwa indem sie mit Essstörungen anhaltend unglücklich werden nach dem Vergleich mit scheinbar makellosen Peers. Die Datenlage zu den Auswirkungen sozialer Netzwerke auf die psychische Gesundheit basiere jedoch oft auf Studien, deren Methodik erhebliche Mängel aufweise. Sie konzentrierten sich vornehmlich auf die Dauer der Nutzung und nicht auf die Inhalte, und fokussierten zudem nur einen einzelnen Zeitpunkt. Längerfristige Untersuchungen zeigten hingegen nur geringe Korrelationen, wie Schmidt betont – eine wissenschaftliche Grundlage für ein Verbot gebe es somit nicht. Nora Maria Raschle, Professorin für Entwicklungsneurowissenschaften, hebt hervor, dass Jugendliche in der Identitätsfindung auf das Feedback ihrer Altersgenossen angewiesen sind. Die omnipräsenten Reaktionen wie Likes und Kommentare stellen eine Herausforderung dar, bieten jedoch auch Entwicklungsmöglichkeiten. Mit entsprechender Begleitung durch Familie und Bildungseinrichtungen könnten Jugendliche diese Herausforderungen meistern, so Raschle. Laut Stefanie Schmidt nutzen die meisten Jugendlichen Social Media in einem gesunden Rahmen. Anstatt zu verbieten, sollten Medienkompetenzen gefördert werden. Die Plattformbetreiber müssten ihre Algorithmen transparenter gestalten und Cybermobbing konsequenter bekämpfen. Raschle warnt ebenfalls vor den ungewissen Folgen eines abrupten Social-Media-Verbots. Der politische Diskurs um mögliche Verbote gewinnt an Fahrt, während die Wissenschaft Zweifel daran äußert, ob so psychische Probleme bei Jugendlichen von heute auf morgen verschwinden würden. Radio SRF 1, Echo der Zeit, 27.4.2026, 18:00 Uhr