Mit einer Rede vor dem US-Kongress hat König Charles III. seinem Besuch eine unerwartet starke politische Dimension verliehen. Ursprünglich als diplomatischer Höhepunkt zum 250-jährigen Jubiläum der amerikanischen Unabhängigkeit geplant, entwickelte sich die Veranstaltung zu einem Moment mit deutlichen politischen Botschaften, sorgfältig formuliert und in ihrer Wirkung eindeutig.
Im Rahmen seines viertägigen Staatsbesuchs bekräftigte König Charles die unverbrüchliche Allianz zwischen Grossbritannien und den USA. Die Rede fand vor dem Hintergrund angespannter Beziehungen statt, insbesondere nach Trumps Kritik am britischen Premierminister Keir Starmer wegen der Nichtbeteiligung Großbritanniens am von den USA und Israel geführten Konflikt mit dem Iran.
Unter langanhaltendem Applaus wurde Charles im Kongress empfangen. Seine Rede begann traditionell humorvoll und historisch verankert, umfasste aber auch aktuelle politische Spannungen. Im Mittelpunkt stand die Verteidigung demokratischer Prinzipien: Rechtsstaatlichkeit, institutionelle Kontrollen und Gewaltenteilung wurden betont.
Obwohl der König Donald Trump nur einmal erwähnte und dessen Aussage zitierte, dass das Band zwischen den USA und dem Vereinigten Königreich unbezahlbar sei, warnte Charles vor Isolationismus und plädierte für die Stärkung transatlantischer Bündnisse. Er verwies auf die Nato und die Verantwortung zur Verteidigung Europas sowie die Unterstützung der Ukraine als Bedingung für einen gerechten Frieden.
Klimaschutz stellte er als Teil nationaler Sicherheit dar, eine Aussage von besonderer Relevanz in den USA unter Trumps umstrittener Umweltpolitik. Die Rede wird in Washington intensiv diskutiert und als deutliche politische Intervention eines britischen Monarchen gewertet. Während Demokraten sie loben, sehen Republikaner eine ungewöhnliche Einmischung.
Barbara Colpi berichtet seit Juli 2022 von den Vereinigten Staaten aus als Korrespondentin für Radio SRF und News Digital. Sie ist seit 2005 bei Radio SRF tätig, arbeitete in der Sportredaktion und wechselte 2016 nach Lausanne.
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