Ein Inserat aus dem Februar ruft Frauen dazu auf, sich als “persönliche Assistentin des CEO” in Chiasso zu bewerben. Es fordert Kandidatinnen zwischen 19 und 40 Jahren an, die keine familiären Verpflichtungen haben und offen für ungewöhnliche Erfahrungen sind. Der Arbeitgeber präsentiert sich als hochkarätiger Manager. In einem Arbeitsmarkt mit über 6 Prozent Arbeitslosigkeit und starker Konkurrenz durch zahlreiche Grenzgänger erregt dieses Inserat Aufmerksamkeit. Das Radio und Fernsehen der italienischen Schweiz (RSI) deckte auf, dass mehrere Frauen zu Vorstellungsgesprächen eingeladen wurden. Alle Gespräche folgen einem ähnlichen Muster: Der Arbeitgeber stellt sich als Leiter von zwei Unternehmen vor. Anschließend kommen unangemessene Fragen und Kommentare zum Vorschein, darunter persönliche Bemerkungen über das Aussehen der Bewerberinnen und Erzählungen mit sexuellem Hintergrund. Ein zentraler Aspekt ist die geforderte “Symbiose” zwischen ihm und der Assistentin. Unter “Geschäftsreise” versteht er, dass die Assistentin einige Tage in einer Wohnung am Meer, möglicherweise im selben Zimmer, mit ihm verbringt. Eine Bewerberin berichtet von einem unerwarteten Kuss. Einige junge Frauen empfinden das Vorstellungsgespräch als “verletzend” und “wütend” und fürchten um ihre Sicherheit, da diese am Ende des Tages oder samstags stattfanden. Eine RSI-Journalistin berichtet von ähnlichen Vorkommnissen und einer Aufforderung, nach neun Uhr abends mit dem Unternehmer zu chatten, bevor sie eine “Geschäftsreise” nach Mittelitalien antreten soll. Eine Vereinbarung soll unterschrieben werden, die besagt, dass diese Treffen nicht bezahlt werden und sie für “nicht konformes Verhalten” verantwortlich ist. Anwältin Nora Jardini Croci Torti kommentiert: “Es ist alles, alles, alles falsch!” Sie spricht von sexueller Belästigung gemäß Gleichstellungsgesetz und Strafgesetzbuch. Zudem müsse der Arbeitgeber schon im Einstellungsprozess die psychische Gesundheit schützen. Der Unternehmer bestreitet die Vorwürfe und beschuldigt die Bewerberinnen, alles “erfunden” zu haben. Diese Berichte wurden von RSI in einer Sendung am 24. April 2026 um 20:45 Uhr publiziert.