In der Schweiz sind etwa 165.000 Pflegefachkräfte für die Betreuung von Verunfallten, Kranken, Operierten und alten Menschen verantwortlich. Eine davon ist Patricia Tschannen, die gerade ihre Nachtschichten im Spital hinter sich bringt. Ihre Arbeit beginnt um 22:30 Uhr und endet um 7:00 Uhr morgens. Trotz der unpopulären Nachtarbeit passt diese Schicht gut zu ihr, da sie ein Nachtmensch ist. Die diplomierte Pflegefachfrau, die seit acht Jahren in Bern arbeitet, sieht ihre Abwechslung und Regelmäßigkeit als Vorteil.
Mit dem Einlesen der Patientenakten beginnt ihre Schicht. Sie hat etwa eine halbe Stunde Zeit für den Überblick über die Fälle von zehn bis vierzehn Patientinnen und Patienten, was oft nicht ausreichend ist. Nachdem sie Medikamente für die Nacht vorbereitet hat, führt sie die Antrittskontrolle durch, bei der sie sich um jeden Patienten kümmert.
In ihrer Abteilung arbeiten drei Pflegefachkräfte und eine Pflegehilfe zusammen. “Wir sind von der Kapazität her auf Kante genäht”, fasst Tschannen die Lage zusammen, besonders wenn die Patienten nicht stabil sind. Der Druck sei im Vergleich zu früher gestiegen, hauptsächlich durch Kostendruck und zunehmende Komplexität der Pflegearbeiten.
Trotz hoher physischer und psychischer Belastung ist Tschannen dankbar für ihr 70-Prozent-Pensum, das ihr genügend Erholungszeit bietet. Sie beklagt die kurze Verweildauer vieler Kollegen im Beruf; bereits vierzig Prozent verlassen den Pflegeberuf oft kurz nach ihrer Ausbildung, was bestehende Teams schwächt.
Trotz der Herausforderungen bleibt sie ihrem Beruf treu: “Es ist ein sehr attraktiver Beruf, weil er vielseitig und direkt am Menschen orientiert ist. Ich muss mich nie fragen, welchen Sinn meine Arbeit hat.” Dennoch warnt Tschannen davor, dass die aktuellen Bedingungen junge Leute davon abhalten könnten, diesen Weg zu wählen.
Um einem Versorgungsproblem entgegenzuwirken, plädiert sie für die Umsetzung der Pflegeinitiative und verbindliche Vorgaben zur Größe von Teams. Ihre Nachtschichten sind oft hektisch, manchmal muss sie innerhalb einer Stunde zehn Blutentnahmen durchführen.
Die letzte Stunde im Nachtdienst ist die härteste, aber auch die schönste für Tschannen: “Denn dann sind die Patienten wach und wir können noch einige Worte wechseln.” Mit dem Erwachen des Spitals endet ihre Schicht.