Das Heidelberger Startup Aleph Alpha fusioniert mit dem kanadischen Konkurrenten Cohere, wobei es sich nach Aussagen der Unternehmen um eine gleichwertige Partnerschaft handelt. Tatsächlich ist es jedoch eine einseitige Übernahme, die Deutschlands Rolle im globalen KI-Wettbewerb widerspiegelt.
Deutschlands Digitalminister Karsten Wildberger und sein kanadischer Amtskollege Evan Solomon präsentierten vergangene Woche den Zusammenschluss als Geburt eines neuen KI-Modells, das sich durch Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit auszeichnet. Der deutsche Staat könnte ein Hauptkunde der neu gebildeten Firma werden.
Trotz äußerlicher Darstellung einer Partnerschaft auf Augenhöhe handelt es sich um eine Übernahme: Laut Medienberichten erhalten die Eigentümer von Cohere etwa 90 Prozent der Anteile, während Aleph Alpha nur zehn Prozent erhält. Dies spiegelt auch das Umsatzverhältnis wider und macht den Firmenwert auf rund 20 Milliarden Dollar.
Cohere profitiert durch einen Vertrag mit der deutschen Regierung und eine Investition von 500 Millionen Euro durch die Schwarz-Gruppe, die als Infrastrukturpartner fungieren möchte. Dieses Unternehmen aus Heilbronn plant den Aufbau einer europäischen Cloud-Lösung, um Konkurrenz für Amazon zu schaffen.
Deutschland und Kanada kooperieren, um der amerikanischen Vorherrschaft in der KI-Technologie entgegenzuwirken. Ursprünglich hoffte Europa auf Aleph Alpha als Leuchtturmprojekt. Das Heidelberger Startup entwickelte früh einen Chatbot, doch technische Rückschläge führten zu Enttäuschungen.
Nach einer Finanzierungsrunde von 500 Millionen Dollar und einer Einstufung als Erfolgsmodell durch den damaligen Wirtschaftsminister Robert Habeck, musste Aleph Alpha einen strategischen Neuausrichtungsplan verfolgen. Das Unternehmen fokussiert sich nun auf eine KI-Plattform für Firmen und Behörden.
Diese Nische bietet Potenzial für Alternativen zum US-Datenzugriff. Der Mitgründer Jonas Andrulis, einst das Gesicht der deutschen KI-Hoffnung, zog sich aus dem operativen Geschäft zurück; die Leitung übernahm nun ein ehemaliger Manager der Schwarz-Gruppe.
In der Regierung hat sich der Ton geändert: Während Habeck von einem deutschen KI-Giganten träumte, betont Wildbergers Ministerium jetzt den Bedarf an Kooperation zur digitalen Eigenständigkeit. Ziel ist es, Abhängigkeiten zu verringern – insbesondere zu amerikanischen Anbietern.
Die deutsche Regierung sucht nun nach Verbündeten und findet diese in Kanada. Premierminister Mark Carney sprach sich für die Zusammenarbeit der Mittelmächte aus, um relevant zu bleiben. Auf die Frage nach möglicher neuer Abhängigkeit meinte Wildberger: Souveränität liege im freien Entscheiden über Partnerschaften.