Die Schweizer Eisenbahnunternehmen haben jüngst eine dringende Forderung nach erheblichen zusätzlichen finanziellen Mitteln für den Erhalt ihres Netzes erhoben. Ohne entsprechende Gegenmassnahmen warnen sie vor Unpünktlichkeit, fehleranfälligen Stellwerken und einer Zunahme kostspieliger Notfallreparaturen. Der Unterhaltsrückstand bei den SBB und der Rhätischen Bahn (RhB) ist besonders alarmierend; allein die SBB haben einen Rückstand von 9,5 Milliarden Franken angehäuft.
Gleichzeitig wird der Branche vorgeworfen, fragwürdige Projekte zu verfolgen, die den Unterhaltsaufwand weiter erhöhen. Ein Beispiel ist der Ausbau des Bahnhofs Männedorf am Zürichseeufer ohne Perron auf einem zweiten Gleis für S-Bahnen und Güterzüge. Die Kosten belaufen sich auf rund 22 Millionen Franken, die bis 2027 anfallen werden, während gleichzeitig der barrierefreie Zugang zu den Perrons ausgebaut wird.
Die Begründung der SBB lautet, dass das zweite Gleis für einen Viertelstundentakt notwendig sei. Doch Kritiker wie Philipp Morf, ein ehemaliger SBB-Planer und jetzt selbständiger Berater, halten dagegen, dass die Güterzugfrequenz gering ist und alternative Routen effizienter wären. In einem Artikel der „Schweizer Eisenbahn-Revue“ kritisierte Morf Männedorf als Beispiel für unnötige Investitionen.
Ein weiteres umstrittenes Projekt ist der Tiefbahnhof in Genf Cornavin, bei dem durch intelligentere Betriebskonzepte Milliarden eingespart werden könnten. Auch Ausbauten zur Anpassung an veränderte Fahrpläne werden als überflüssig angesehen.
In Graubünden plant die RhB zusammen mit den SBB einen teuren Umbau im Umsteigebahnhof Landquart, der bis 2032 rund 365 Millionen Franken kosten wird. Dieser soll ein gemeinsames Mittelperron für Normal- und Schmalspurverkehr umfassen, obwohl das Perron aktuell nur in eine Richtung genutzt werden kann.
Die zunehmend knappen Finanzen erfordern die Unterscheidung zwischen Wünschbarem und Notwendigem. Die ÖV-Unternehmen versichern eine kostensensible Planung, wobei sie gleichzeitig Kundenbedürfnisse berücksichtigen wollen.
Die SBB betonen, dass politische Entscheide den Ausbau leiten, wie im Falle von Männedorf mit dem Kreuzungsgleis für die Zukunft der S-Bahn. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) unterstützt den Ausbauplan als notwendig für einen stabilen Betrieb.
Die Bahnen behaupten, dass sie lediglich umsetzen, was politisch beschlossen wird, und das Finanzierungssystem über den Bahninfrastrukturfonds (BIF) stärke den politischen Einfluss. Sie argumentieren, dass Ausbauten nur dann durchgeführt werden sollten, wenn der Nutzen maximiert wird, wobei die Folgekosten für Unterhalt berücksichtigt werden müssen.