Dan Ndoye kennt sich aus in der Unwägbarkeit und dem Neuen – Eigenschaften, die ihn zum Schweizer Nationalspieler gemacht haben. Heiko Vogel beschreibt ihn so: «Seine Komfortzone ist die Unwägbarkeit und das Neue». Vor diesem Hintergrund überrascht sein Wechsel zu Nottingham Forest im vergangenen Sommer kaum. Trotz anderer attraktiver Angebote entschied sich Ndoye für den Verein aus den englischen Midlands, der in der Premier League bekannt ist für seine Unbeständigkeit und wechselnden Trainer – aktuell unter Vítor Pereira. Der Transfer vom FC Bologna kostete rund 40 Millionen Franken und machte ihn zum zweitteuersten Spieler in Forests Geschichte.
Ndoyes erste Saison in England war geprägt von Veränderungen: Nottingham Forest erlebte bereits den vierten Trainerwechsel und kämpft im Abstiegskampf der Premier League. Gleichzeitig hat das Team die Chance auf einen Europa-League-Sieg gegen Aston Villa, was eine Teilnahme an der Champions League sichern würde.
Trotz dieser Herausforderungen fand Ndoye schnell seinen Platz in der Mannschaft. Im ersten Ligaspiel traf er bereits für Nottingham, genannt die «Tricky Trees». Unter drei verschiedenen Trainern etablierte er sich stets rasch als Stammspieler.
Die Saison war jedoch nicht nur von sportlichen Erfolgen geprägt: Nach einer Wadenverletzung kurz vor Weihnachten verlor Ndoye seinen Stammplatz. Seitdem kam er in der Liga meist zu späten Einwechslungen und stand zuletzt vor fast fünf Monaten wieder in der Startelf.
Ndoyes regelmäßige Einsätze in Europa League und Nationalmannschaft halfen ihm, die Spielpraxis auf Klubebene zu kompensieren. Dennoch stellte sich nach einer starken Leistung im März gegen Deutschland die Frage, warum er nicht mehr berücksichtigt wird. «Das frage ich mich selbst auch», gab Ndoye zu.
Heiko Vogel erklärt: «Viele neue Einflüsse» hätten auf ihn eingeprasselt – dazu zählen der Konkurrenzkampf im Kader mit Spielern wie Elliot Anderson und Morgan Gibbs-White, die Umstellung auf das Premier-League-Niveau sowie ein angeschlagenes Selbstvertrauen. Vogel meint: «Dan ist introvertiert und muss ermutigt werden, sich nicht zu verstecken.»
Diese Herausforderungen sind Ndoye nicht fremd; ähnliche Schwierigkeiten erlebte er auch beim FC Basel vor seinem Wechsel nach Bologna, wo er schließlich den Cup gewann. Vogel erinnert: «Ich habe ihn ermutigt, mit Enthusiasmus zu spielen und nicht viel nachzudenken.»
Ndoye benötigte stets Eingewöhnungszeit – sowohl in Basel als auch bei Bologna, bevor er sich steigerte. Diese Eigenschaften wird er nun wieder benötigen, um sich dauerhaft bei Forest durchzusetzen.
Sein Potenzial ist unbestritten: Vogel beschreibt ihn als «wahnsinnig talentierten Spieler» und einen der schnellsten, die er je trainierte. Seine Dribbelstärke und Vielseitigkeit machen ihn zu einer wertvollen Stütze für das Team.
Nottingham Forest setzt auf Ndoye und hat ihm bis 2030 verlängert. Heiko Vogel ist überzeugt, dass er mit der Herausforderung in England wachsen wird: «Er wird zwei Schritte nach vorne machen», wenn ihm der Durchbruch gelingt. Die Unvorhersehbarkeit seiner Karriere – seine Komfortzone – wird ihm dabei kaum ausmachen.