Bei Entscheidungen zur Leitzinsanpassung oder Führungswechseln wird weltweit genau auf die US-Notenbank Fed geblickt. Auch im Rückblick auf das Amtsende von Jerome Powell, dem scheidenden Chef der Fed, blieb der Leitzins unverändert und unterstrich erneut die Unabhängigkeit der Bank. Wirtschaftsredaktor Jan Baumann erklärt den Einfluss der Fed auch auf die Schweiz.
Jan Baumann ist seit 2013 für SRF tätig, leitet seit Anfang 2023 als Wirtschaftsredaktor Radio SRF und war zuvor zehn Jahre lang bei “Finanz und Wirtschaft” beschäftigt, unter anderem als USA-Korrespondent.
Die wirtschaftliche Bedeutung der USA ist enorm: Als weltweit führende Volkswirtschaft prägen US-Entscheidungen die globale Wirtschaft. Der Dollar dient zudem als Leitwährung und wird für Ölpreise, Rohstoffe und viele andere Bereiche verwendet.
Durch den Dollarkurs beeinflusst die Fed auch die Geldpolitik anderer Länder wie der Schweiz, da Notenbanken von Dollarreserven abhängig sind. Verändert sich der Wechselkurs des Dollars zum Franken, wirkt sich dies auf die Schweizer Nationalbank aus.
Die Wirtschaftszweige in der Schweiz, etwa Pharma oder Uhrenindustrie, sind stark vom US-Markt abhängig. Die wirtschaftliche Dynamik in den USA beeinflusst daher maßgeblich die Schweizer Wirtschaft. Auch die Entwicklungen in der Eurozone spielen eine Rolle, doch die USA definieren in gewisser Weise das ökonomische Klima.
Sinkt der Leitzins, werden Kredite billiger, was Investitionen und Konjunktur ankurbelt und die Beschäftigung steigert. Höhere Zinsen dämpfen hingegen den Wirtschaftsmotor, was politisch für die US-Regierung relevant ist. Sie benötigt eine starke Beschäftigungslage für ihre Wiederwahl.
Zusammenfassend bedeutet das: Niedrigere Zinsen erhöhen die Inflation, während höhere Zinsen sie dämpfen und die Wirtschaft verlangsamen. Beide Aspekte müssen bei einer Leitzinsentscheidung berücksichtigt werden.
Falls die Fed nicht ökonomischen Prinzipien folgt, ist das Ergebnis wahrscheinlich suboptimal. Eine unabhängige Notenbank kann ihre Aufgabe besser erfüllen. Beeinflusst sie der US-Präsident direkt, verliert die Zentralbank an Glaubwürdigkeit.
Der Fed-Chef gibt zwar nicht alleine den Ton an, muss aber glaubwürdig sein und öffentlich seine Entscheidungen begründen. Ein Vertrauensverlust führt zu Unsicherheit, was der Wirtschaft schadet. In einem hypothetischen Extremfall könnte die Notenbank von jemandem geleitet werden, der den Wünschen des US-Präsidenten nachgibt – eine Abschaffung wäre dann fast unumgänglich.
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