Die Staatsanwaltschaft des Wallis plant, das Vorgehen der Rettungsmaßnahmen nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana genauer zu untersuchen. Dies soll durch ein neues Strafverfahren geschehen, wie Recherchen von RTS zeigen.
Grund für die Einleitung des Verfahrens sind Anfragen zweier Anwälte: Philippe Nantermod, FDP-Nationalrat aus dem Wallis, und der Italiener Fabrizio Ventimiglia. In einem Schreiben an die Staatsanwaltschaft, das RTS vorliegt, äußerte sich Nantermod im März dazu, dass die Betreuungsbedingungen seines Mandanten eine entscheidende Rolle bei dessen gesundheitlichem Verfall gespielt haben.
Nantermod hebt hervor, dass die Schwere der Verletzungen des 16-Jährigen nicht erkannt wurde. Dies führte zu schwerwiegenden Komplikationen, die hätten vermieden werden können. Die falsche Anwendung einer Sauerstoffmaske sowie das verspätete Eintreffen der Ambulanz und ein mangelndes Bewusstsein für den Ernst des Gesundheitszustands sind Kernpunkte der Kritik.
Fabrizio Ventimiglia vertritt gemeinsam mit einem Genfer Kollegen die Interessen einer 16-jährigen Italienerin, die schwere Verbrennungen erlitten hat. Er betonte gegenüber RTS das Fehlen von Tragen und lebenswichtigen Materialien wie Rettungsdecken und Sauerstoffflaschen in den Stunden nach der Katastrophe.
Ventimiglia begrüßt, dass die Staatsanwaltschaft sich mit den Vorkommnissen auseinandersetzen will: “Es geht darum, Respekt gegenüber Opfern, Verletzten und deren Familien zu zeigen. Es ist essentiell, alle Aspekte dieser tragischen Nacht zu beleuchten.” Die Staatsanwaltschaft selbst nahm bisher keine Stellung.
Die kritisierte Kantonale Walliser Rettungsorganisation (KWRO) äußert sich in einer Mitteilung überrascht über die Vorwürfe. Sie betont, dass ihre Teams aus speziell geschulten Fachleuten bestehen und nach bewährten Protokollen arbeiten. Aus Respekt vor den Betroffenen verzichtet sie jedoch auf weitere Kommentare zu den Anschuldigungen.