In Aarau wird heftig über den Bau einer neuen Abwasserreinigungsanlage (ARA) gestritten, die bis 2038 neben der bestehenden Anlage im Stadtteil Rohr entstehen soll. Diese Gross-Anlage wäre die grösste des Kantons und würde die fünf kleineren Anlagen ersetzen, deren Flächen renaturiert werden sollen. Kosten von rund 300 Millionen Franken stehen zur Debatte. Die geplante ARA, an der Abwasser aus circa 30 Gemeinden gereinigt werden soll, wird als kostengünstiger angesehen im Vergleich zum Erhalt und der Sanierung der bestehenden Anlagen. Dies betonen die beteiligten Abwasserverbände und der Kanton.
Landesweit sind gut 700 Kläranlagen vorhanden, von denen etwa 140 bis 2040 saniert werden müssen, um neue Vorschriften zu Mikroverunreinigungen zu erfüllen. Rund ein Viertel dieser Anlagen wurde bereits umgebaut, während die nationale Politik über das Schicksal weiterer 300 Kläranlagen berät.
Der Standort in Aarau an der Aare ist aus technischer Sicht vorteilhaft, da hier schon mehrere Abwasserleitungen zusammenlaufen. Die beteiligten Verbände argumentieren, dass der Platz für zukünftige Erweiterungen geeignet und die negativen Auswirkungen bei einem zentralen Standort geringer sind als bei dezentralen Lösungen. Zudem ist geplant, dass das gereinigte Wasser in die Aare statt in kleinere Bäche geleitet wird. Trotz der Nähe zu Wohngebieten sollen Lärm und Geruch durch moderne Technologie minimiert werden.
Projektleiter Jörg Kaufmann betont, dass nach Prüfung von 17 Standorten Aarau die beste Wahl sei. Die Behörden heben hervor, dass bestehende Kläranlagen wegen ihres Alters und neuer Vorschriften bald saniert werden müssen. Diese neue Anlage soll Mikroverunreinigungen entfernen, Rückstände von Medikamenten oder Spritzmitteln beseitigen, Phosphor recyceln und Kohlendioxid aus dem Klärgas abscheiden.
Nach Bekanntgabe der Pläne im Februar bildete sich jedoch rasch Widerstand. Eine Interessensgemeinschaft sammelte mit einer Petition 1000 Unterschriften gegen das Projekt. Die erste öffentliche Informationsveranstaltung Ende April endete in Aarau in heftigen Diskussionen, bei denen die Pläne kaum jemand überzeugten. Kritiker fordern eine Kläranlage an einem anderen Standort.
Gegner des Projekts sind besorgt über die Überbauung von sechs Hektaren Kulturland direkt neben einem Wohngebiet. Sie befürchten Lärm, Geruch, vermehrten Verkehr sowie negative Auswirkungen auf das Grundwasser oder eine erhöhte Überschwemmungsgefahr. Ein Wertverlust der angrenzenden Häuser wird ebenso thematisiert wie die späte Information über die Pläne. Bis Ende Mai läuft das Anhörungsverfahren für die notwendige Richtplananpassung in Aarau.