In der Schweiz hat die Zahl der Fälle von Online-Identitätsdiebstahl deutlich zugenommen. Die Aufklärungsquote liegt nur bei 20 Prozent, was Ermittlern zu schaffen macht.
Léa aus dem Kanton Freiburg erhält Rechnungen für ein Telefonabo, Ferien im Ausland und diverse Online-Abrechnungen, die sie nicht bestellt hat. Sie wurde mehr als zwölf Mal Opfer von Identitätsdiebstahl, was Forderungen in Höhe von über 20’000 Franken nach sich zieht, wie RTS berichtet.
War dieses Phänomen vor einigen Jahren noch selten, so wurden 2023 insgesamt 478 Fälle registriert. Bis heute sind es bereits 8102.
Die Täter operieren oft auf die gleiche Weise: Sie erstellen gefälschte E-Mail-Adressen und bestellen Waren oder Dienstleistungen im Namen ihrer Opfer, ohne diese je zu bezahlen. Die Mahnungen erreichen jedoch regelmäßig die Betroffenen. Bei Léa führte dies zumindest teilweise zum Erfolg: Die Kantonspolizei konnte zwei Verdächtige identifizieren.
Auch Matteo aus Genf erlebte eine ähnliche Situation: Er erhielt Rechnungen für Kontrollschilder, die er nie beantragt hatte. Mit einer Kopie seines Ausweises schlossen Betrüger zwei Leasingverträge über gebrauchte Mercedes zum halben Neupreis von 80’000 Franken ab und verkauften sie.
Matteo konnte zwar die Verträge annullieren, muss jedoch weiterhin 378 Franken für Schilder zahlen, die er nie nutzte. Er wurde sogar betrieben.
«Das ist sehr frustrierend», kommentiert Matteo, der sich damit abfinden muss, dass ihm kaum etwas anderes übrigbleibt.
Einen Schritt weiter geht der Fall von Lexie, einer Influencerin und Lastwagenfahrerin. Unbekannte kopieren ihre Bilder und Videos, verändern sie mittels Künstlicher Intelligenz und erstellen Hunderte gefälschter Profile zur Erpressung von Internetnutzern.
«Hinter diesen Fällen steht eine große Raffinesse», sagt Philippe Allain, Kommandant der Freiburger Kantonspolizei. Der Kampf sei komplex und dynamisch. Zudem sieht er rechtliche Lücken im Umgang mit Plattformen.
Lennig Pedron, Direktorin von Trust Valley, einer öffentlich-privaten Organisation in Lausanne, erklärt: «Man stiehlt Ihnen nicht mehr das Portemonnaie aus der Tasche, sondern Ihre digitale Existenz.»