Der Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbands, Severin Moser, setzt sich für eine Diskussion über die Rolle der Teilzeitarbeit ein, um den Fachkräftemangel in der Schweiz zu bekämpfen. Er kritisiert das Konzept der «Lifestyle-Teilzeit», bei dem Menschen freiwillig weniger arbeiten, um mehr Freizeit zu haben.
Severin Moser, im Amt seit Juni 2023 und OK-Präsident der Schweizer Leichtathletikmeisterschaft 2024, äußerte sich gegenüber SRF News. Er betonte die Notwendigkeit, nicht nur die Wochenarbeitszeit, sondern auch Ferienwochen und Feiertage in Betracht zu ziehen, da viele heute nicht mehr Vollzeit arbeiten.
Der Begriff «Lifestyle-Teilzeit» entstammt deutschen Arbeitgeberkreisen. In der Schweiz gibt es keinen rechtlichen Anspruch auf Teilzeitarbeit; diese ist eine vertragliche Vereinbarung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber.
Moser erklärte, dass in Zeiten des Fachkräftemangels Unternehmen gezwungen seien, Teilzeitstellen anzubieten, um Bewerber zu finden. Die Schweiz könnte bis 2033 rund 500.000 Arbeitskräfte vermissen. Daher müssten Firmen das Potenzial der Inländer besser nutzen.
Die Analyse des Verbands zeigt, dass es vor allem die über 50-Jährigen sind, deren Arbeitspensum sie für mehr Freizeit reduzieren – nicht wegen Betreuungspflichten oder gesundheitlichen Problemen. Moser sieht das Problem darin, dass Menschen freiwillig weniger arbeiten, statt aus Stressgründen.
Die Kritiker behaupten jedoch, die Arbeitsbelastungen seien zu hoch und führten zu psychischer Erschöpfung. Der digitale Stress durch ständige Erreichbarkeit sei ebenfalls ein Problem.
Moser betonte die Wichtigkeit von Stressbewältigungsstrategien über eine einfache Reduktion der Arbeitszeit hinaus. Arbeitgeber sollten Gesundheitsmanagement und organisatorische Anpassungen vornehmen, um dem entgegenzuwirken.
Als Lösungsvorschlag fordert Moser finanzielle Anreize für Mehrarbeit durch tiefer gehende Grenzabgaben und weniger steuerliche Fehlanreize. Gewerkschaften hingegen verlangen mehr Schutzmaßnahmen gegen Arbeitsstress, wie reduzierten Zeitdruck und mehr Personal.
Moser sieht die Notwendigkeit einer differenzierten Betrachtung der betrieblichen Situation und fordert spezifische Lösungen anstatt allgemeiner Maßnahmen. Das Interview führte Karoline Arn für das Tagesgespräch am 1. Mai 2026 um 13:00 Uhr.