Ein Beamter des Bundesamts für Polizei (Fedpol) wurde am Dienstag festgenommen. Laut Expertenmeinungen könnte dies auf einen Anstieg von Bestechungsversuchen hindeuten.
Die Bundesanwaltschaft hat den Mann beschuldigt, gegen Bezahlung vertrauliche Informationen weitergegeben zu haben. Auch die anvisierte Person wurde festgenommen und steht unter Verdacht, einen schweizerischen Amtsträger bestochen zu haben.
Fedpol gab bekannt, dass sie während Untersuchungen im Bereich organisierter Kriminalität auf Anomalien bei dem nun verhafteten Mitarbeiter gestoßen seien. Weitere Details werden gegenwärtig nicht preisgegeben.
Der Fall wirft Fragen über das Ausmaß der organisierten Kriminalität in der Schweiz und die involvierten Gruppierungen auf, darunter möglicherweise italienische Mafiaorganisationen wie Camorra und ’Ndrangheta. Diese werden unter anderem verdächtigt, Mitglieder im Land zu verstecken, Gelder zu waschen oder Drogenhandel zu betreiben.
Ein internationaler Polizeieinsatz im Februar deckte Verbindungen eines mutmaßlichen Drogenkartells nach Schweizer Wohnsitzen auf. Besonders brisant: Vier der sieben Festgenommenen hatten ihren offiziellen Wohnsitz in Roveredo im Misox.
Der Kriminologe Dirk Baier weist darauf hin, dass organisierte Kriminalität nicht nur mit der Mafia verbunden ist. Gruppen aus dem Balkan und Osteuropa sowie internationale Kartelle seien ebenfalls aktiv. Dazu gehören auch Familien-Clans und Rocker-Gangs.
Baier warnt davor, dass die Zunahme internationaler krimineller Aktivitäten das Risiko von Einflussnahme-Versuchen in der Schweiz erhöhen könnte. Der Wohlstand des Landes mache es zu einem attraktiven Ziel für solche Organisationen.
Obwohl Bestechungsfälle wie bei dem verhafteten Fedpol-Mitarbeiter selten sind, gibt es auch andere Einflussnahme-Methoden. Beispielsweise könnten kriminelle Netzwerke versuchen, gewogene Personen in Behörden zu platzieren.
Fedpol betont, dass die Risiken einer Unterwanderung staatlicher Strukturen erkannt wurden und bereits in der Strategie zur Bekämpfung organisierter Kriminalität bis 2025 aufgegriffen worden sind. Maßnahmen wie intensivere Schulungen von Mitarbeitern sowie verstärkte Zusammenarbeit zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden sollen helfen, diese Gefahren zu minimieren.
Besonders im Bereich der Geldwäscherei will das Fedpol zusätzliche Schritte unternehmen, um auf die Herausforderung reagieren zu können.