Vertrauliche Dokumente offenbaren Spannungen zwischen der Schweizer Armee und dem staatlichen Rüstungsunternehmen Ruag. Dieses könnte bald zusätzliche finanzielle Mittel benötigen, was bei Sicherheitspolitikern für Besorgnis sorgt.
Ohne regelmäßige Wartung funktionieren Kampfjets, Panzer und Mörser nicht. Die frisch zugesprochenen Milliarden sind also nur effektiv, wenn Fachkräfte die komplexen Systeme instand halten. Dies ist Aufgabe der Ruag MRO. Obwohl das Berner Unternehmen eine private Aktiengesellschaft ist, gehört es vollständig dem Bund, dessen Regierung ihm Ziele setzt und deren Umsetzung kontrolliert.
Recherchen zeigen, dass die Armee mit der Ruag unzufrieden ist, was ihre Beziehung zerrüttet hat. Ein vertraulicher Bundesratsbericht an die Geschäftsprüfungskommission (GPK), den die “NZZ am Sonntag” vorliegen hatte, beleuchtet dies. Kundenbefragungen des Unternehmens bleiben bislang unter Verschluss.
Laut Bericht konnte die Ruag Lieferfristen und vertragliche Vereinbarungen mit Armasuisse bzw. der Armee nicht vollständig einhalten. Die Kundenzufriedenheit sank von 61 Prozent im Jahr 2024 auf 51 Prozent im Jahr 2025.
Der Bundesrat listet auf, was die Armee stört: Preis-Leistungs-Verhältnis, hoher Personal- und Verwaltungsaufwand sowie unzureichende Termintreue. Die Ruag wird als teuer, kompliziert und langsam angesehen, was sich nach Ansicht des Verteidigungsdepartements (VBS) negativ auf die Armee auswirken könnte.
Sicherheitspolitiker waren bisher im Unklaren über die Schwierigkeiten. “Die Ruag ist ein zentraler Partner für unsere Landesverteidigung”, sagt der SVP-Nationalrat Mauro Tuena. Die Situation sei “äusserst beunruhigend” und in der heutigen Sicherheitslage “brandgefährlich”.
SP-Nationalrat Fabian Molina betont, dass die Ruag essenziell für die Versorgung der Armee sei. Sie müsse ihren Kernauftrag erfüllen oder man solle Leistungen auch bei ausländischen Firmen einkaufen.
Die Ruag ist mit 572 Millionen Franken im Jahr 2025 und einem Anteil von 76 Prozent ihres Umsatzes der wichtigste Kundin. Obwohl privatwirtschaftlich strukturiert, agiert sie als stark geschützte Werkstatt.
Die Ruag betont die Priorität zur Verbesserung der Kundenzufriedenheit, sieht diese aber als langfristigen Prozess an. Die Herausforderungen liegen in der aufwendigen Instandhaltung alter Systeme und Verzögerungen bei Lieferanten.
Finanzielle Mehrkosten sind wahrscheinlich, da die Umsetzung von Verbesserungsmaßnahmen Jahre dauern wird. Eine veränderte Bedrohungslage stellt neue Anforderungen an den Schutz der Ruag-Infrastruktur, was ebenfalls zusätzliche Kosten verursacht.
Die Kritik trifft das Unternehmen in einer heiklen Phase, geprägt von einem Skandal um mutmaßlichen Eigenhandel und finanziellen Verlusten. Der Bundesrat versucht, die Ruag positiv darzustellen, trotz mangelnder Kundenzufriedenheit.
Die Befragungsergebnisse bleiben vertraulich, was darauf hindeutet, dass man unangenehme Details lieber unter Verschluss halten möchte.