Mietkautionsversicherungen gewinnen als Alternative zum Mietzinsdepot immer mehr an Beliebtheit. Oftmals werden diese teuren Lösungen von Immobilienverwaltern bevorzugt, was den finanziellen Interessen der Mieter zuwiderläuft. Verpflichtet sind Vermieter dazu, eine Kaution einzufordern, um sich gegen Schäden oder unbezahlte Mietkosten abzusichern. Traditionell wurde diese durch ein Sperrkonto bei einer Bank gedeckt, doch zunehmend setzen Mieter auf Mietkautionsversicherungen. Die Popularität dieser Versicherungen ist rasant gestiegen: So verzeichnete Swisscaution innerhalb eines Jahrzehnts einen Anstieg ihres Prämienvolumens von 37,7 Millionen auf 61,4 Millionen Franken. Auch Firstcaution wuchs im gleichen Zeitraum deutlich. Ivo Cathomen vom Schweizerischen Verband der Immobilienwirtschaft (Svit) erklärt die steigende Akzeptanz dieser Versicherungen. Dennoch sind sie aus finanzieller Sicht weniger vorteilhaft als Mietzinsdepots, da Mieter in den Prämienzahlungen über Jahre hinweg einen erheblichen Betrag verlieren. Der Anstieg der Beliebtheit von Mietkautionsversicherungen könnte mit steigenden Mieten und somit höheren Kautionsforderungen zusammenhängen. Immobilienverwalter spielen eine entscheidende Rolle, indem sie bestimmte Versicherungsanbieter empfehlen – oft zu ihrem eigenen Vorteil. Recherchen der „NZZ am Sonntag“ enthüllten, dass Firmen wie Swisscaution und Firstcaution von Immobilienfirmen Kickback-Zahlungen erhalten. Diese Provisionen sind es, die Mieter letztlich über ihre Prämien finanzieren müssen. Obwohl Branchenvertreter solche Zahlungen als übliche Provisionen bezeichnen, wirft dies rechtliche Fragen auf. Der Bundesrat identifizierte Graubereiche bei der Unterscheidung zwischen Adress- und Versicherungsvermittlung, was die Transparenz erschwert. In der Praxis verschwimmen diese Grenzen: Viele Immobilienverwalter legen fest, welcher Anbieter genutzt werden soll. So schreibt es etwa die Privera AG in ihren Verträgen vor, ohne den Mieter über Alternativen aufzuklären. Trotz formeller Freiheit zur Wahl der Versicherung existiert ein Druck, die vorgeschlagene Lösung zu wählen. „Aufgrund der Wohnungsnot ist das vertragliche Machtverhältnis zugunsten des Vermieters“, so Carlo Sommaruga vom Mieterinnen- und Mieterverbands. Die Praxis zeigt, dass viele Verwalter nur Versicherungen bestimmter Anbieter akzeptieren. Die Romandie etwa präferiert Smartcaution stark, was auf Eigentümerbeteiligungen zurückzuführen ist. Während Immobilienfirmen behaupten, die Wahlmöglichkeit sei gegeben, widersprechen zahlreiche E-Mails dieser Darstellung. Verwaltungen bestehen oft auf einem bestimmten Anbieter und verweigern Alternativen. Die zunehmende Verschmelzung zwischen Verwaltern und Versicherungsanbietern bereitet in der Branche Unbehagen, obwohl öffentliche Kritik rar bleibt. Nur Gocaution äußert offen Bedenken über die Praxis exklusiver Vereinbarungen. Mieterinnen und Mieter sollten ihre Optionen prüfen und hartnäckig auf ihren bevorzugten Anbieter bestehen, um Kosten zu sparen. Eine andere Möglichkeit besteht darin, genug Geld für ein Mietzinsdepot zusammenzulegen.