Erinnerungen an den Ukraine-Krieg werden durch den Anstieg des Ölpreises wachgerufen, als damals die Inflation stark zunahm. Heute jedoch ist die Lage vergleichsweise stabiler als im Jahr 2022. Die Fed, EZB und SNB zögern bei Entscheidungen aufgrund der Unsicherheiten durch den Nahostkonflikt.
In den letzten zwei Monaten stieg die Inflationsrate laut dem Fed von 2,4 auf 3,6 Prozent. Der Ölpreisanstieg, verursacht durch den Iran-Krieg, von 70 auf etwa 110 Dollar pro Fass (Brent), beeinflusst diese Entwicklung erheblich. Weitere Preissteigerungen bei Rohstoffen und Gütern sind zu erwarten. Die Inflation wird bis zum Sommer voraussichtlich über dem Zielwert bleiben.
Der Ukraine-Krieg im Februar 2022 führte ebenfalls zu einem Anstieg der Inflationsrate aufgrund gestiegener Energiepreise. Zentralbanken reagierten damals verzögert mit Zinserhöhungen, da sie die Preiskrise als vorübergehend ansahen. Die USA erlebten im August 2022 eine Höchstinzidenz von 8 Prozent und die Eurozone überschritt im Oktober 10 Prozent.
Die damalige Inflationsphase wurde nicht nur durch den Energiepreisschock ausgelöst, sondern auch durch expansive Fiskalpolitik. Die USA stabilisierten die Kaufkraft während der Corona-Krise mit großzügigen Zahlungen und erhöhten so die Geldmenge erheblich. In der Eurozone führte ebenfalls eine Finanzierung über Notenpresse zu einer gesteigerten Staatsverschuldung.
Bei einem Angebotsschock, wie z.B. Energieverknappung, ist es für Zentralbanken schwieriger, adäquat zu reagieren. Ihre Zinserhöhungen können die gesamtwirtschaftliche Nachfrage reduzieren, führen jedoch oft zu steigender Arbeitslosigkeit. Eine effektive Lösung wäre eine Ausweitung des Angebots durch neue Energielieferanten oder alternative Energiequellen.
Die aktuellen Umstände sind günstiger als 2022, da die Geldmenge konstant wächst und keine zusätzlichen inflationären Druck von der Nachfrage ausgeht. Trotzdem könnte ein länger anhaltender Angebotsengpass durch eine blockierte Straße von Hormuz zu einer starken Preiserhöhung führen.
Sollte eine dauerhafte Inflationsphase eintreten, wäre auch das Engagement der Schweizer Behörden gefragt. Während 2022 Forderungen nach staatlichen Garantien laut wurden, sind gezielte finanzielle Unterstützungen sinnvoll für echte Notlagen.
Tobias Straumann, Professor für Wirtschaftsgeschichte an der Universität Zürich, betont die Resilienz der Schweiz in solchen Phasen.