Microsoft hat sich verpflichtet, mehr CO2 aus der Atmosphäre zu extrahieren als es selbst produziert. Aktuell monopolisiert das Unternehmen etwa 90 Prozent des Marktes. Diese Konzentration birgt Risiken, insbesondere da KI-Technologien die Herausforderung verschärfen könnten.
Im März und April kündigte Microsoft bedeutende Partnerschaften zur CO2-Rückgewinnung an. Berichte eines amerikanischen Onlinemagazins mit anonymen Quellen deuteten jedoch darauf hin, dass keine weiteren Abkommen geplant seien. Dies löste in der Branche Alarm aus.
Firmen wie das Schweizer Startup Climeworks arbeiten an innovativen Methoden zur Kohlenstofffiltration mittels Technologie. Neue Projekte weltweit versprechen von Pflanzenkohle bis hin zu CO2-Bindung im Meer vielfältige Lösungen, die jedoch auf Käufer angewiesen sind.
Derzeit gibt es jedoch zu wenige solche Kunden – Microsoft ist der Hauptakteur. Im letzten Jahr wurden gemäß CDR.fyi 90 Prozent des gekauften Kohlenstoffs von Microsoft erworben; seit 2020 liegt die Quote bei rund 80 Prozent. Andere Tech-Unternehmen, darunter Google und Shopify, machen lediglich 4 Prozent aus.
Die Berichterstattung über Microsofts angeblichen Rückzug beruhigte sich nach Aussagen von Melanie Nakagawa, der Nachhaltigkeitschefin. Sie versicherte, dass das Unternehmen weiterhin CO2-Entfernungen finanziert und an seiner Strategie festhält.
Microsofts Marktdominanz wirft die Frage nach ihrer Langfristigkeit auf. Der Abbau von CO2 ist essenziell für internationale Klimaziele. Branchen wie die Luftfahrt können Emissionen kaum reduzieren, weshalb Technologien zur CO2-Entfernung notwendig sind.
Politische Rahmenbedingungen haben sich seit der Amtszeit von Donald Trump verschlechtert, was den Sektor finanziell und regulatorisch schwächt. Mehr Firmen wie Microsoft sind erforderlich, um die Technologien wirtschaftlich tragfähig zu machen.
Microsoft dominiert den Markt aufgrund seines Engagements, bis Ende des Jahrzehnts CO2-negativ zu werden – das bedeutet mehr Kohlendioxid aus der Luft zu entfernen als produziert. Bis 2050 will Microsoft alle historischen Emissionen kompensieren.
Phil Goodman von Microsoft betonte die Dringlichkeit des Klimaziels und den exponentiellen Wachstumsmarkt, um diese Ziele zu erreichen. Ein Wendepunkt war der Deal mit dem dänischen Unternehmen Ørsted im Jahr 2023 zur Entnahme von 2,7 Millionen Tonnen CO2 mithilfe einer BECCS-Anlage.
Diese Technologie bindet Kohlendioxid bei Biomasseverbrennung und speichert es langfristig. Die Investition verbesserte die Qualität der Projekte erheblich.
Microsofts Klimastrategie stößt jedoch an Grenzen, da seine Emissionen durch Datenzentren und künstliche Intelligenz steigen. Der Markt für CO2-Entfernung ist aufgrund dieser Entwicklung unter Druck.
BECCS bleibt umstritten wegen seiner energieintensiven Natur und der Herausforderungen bei der Landnutzung. Die Methode ist vorrangig, da sie die benötigte Menge an CO2 bereitstellen kann, während andere Technologien noch in den Kinderschuhen stecken.
Die Kritik am Geschäft mit der CO2-Entfernung umfasst Probleme wie Übertreibungen und Kontrollschwierigkeiten. Trotzdem ist die Entnahme von CO2 für das Erreichen internationaler Klimaziele unverzichtbar, wie Befürworter argumentieren.
Ein funktionierender Markt benötigt mehr als nur Pionierunternehmen; politische Entscheidungen sind notwendig. Regierungen müssen finanzielle oder regulatorische Rahmenbedingungen schaffen. In Europa wird an solchen Gesetzen gearbeitet, doch aktuelle Initiativen reichen noch nicht aus.
Langfristig erfordert die Verankerung des CO2-Entfernungssektors politische Maßnahmen, um eine nachhaltige Entwicklung zu gewährleisten.