Die Aktie von Berkshire Hathaway befindet sich in einer Flaute, während der breite Markt neue Höchststände erreicht. Warren Buffett warnt vor einer übermütigen Anlegerstimmung und hinterfragt die Weisheit, solche Trends zu verfolgen. Die Firma hält 397 Milliarden Dollar an Liquidität bereit – eine Summe, mit der sie theoretisch die UBS dreifach oder die Deutsche Bank sechsfach übernehmen könnte. Doch stellt sich die Frage nach dem Sinn eines solchen Cash-Polsters bei einer Firma, deren Aufgabe es ist, das Kapital ihrer Aktionäre gewinnbringend anzulegen.
Die Unzufriedenheit unter den Berkshire-Aktionären wächst: Seit Buffett vor einem Jahr seinen schrittweisen Rückzug ankündigte, verlor die Aktie 12 Prozent an Wert. Im Gegensatz dazu hat der S&P 500 in dem Zeitraum um 27 Prozent zugelegt, was einen deutlichen Rückstand von 39 Prozentpunkten bedeutet.
Buffett bleibt zwar Chairman, doch seit Jahresbeginn führt Greg Abel als CEO die operative Geschäftsführung. In seinem ersten Jahr zeichnete er sich bei der Generalversammlung in Omaha durch eine kürzere und weniger gut besuchte Veranstaltung aus. Aktionäre fragten eindringlich nach, wie und wann das riesige Kapital investiert werden soll. Abel verwies auf attraktive Investitionsmöglichkeiten, die jedoch nicht den gewünschten Preis bieten würden.
Berkshire hat bereits 14 Quartale in Folge sein Aktienportfolio reduziert – zuletzt um 8 Milliarden Dollar. Trotz des hohen Liquiditätsgrades bleibt das Unternehmen bei der Auszahlung von Dividenden zurückhaltend, obwohl es wieder eigene Aktien im Umfang von 235 Millionen Dollar kaufte.
Buffett äußerte sich ebenfalls zur Marktlage und warnte vor einer übertriebenen Spekulation. Er verglich die Börsensituation mit einem Kasino, in dem die Preise für viele Güter unrealistisch erscheinen. Seine Voraussagen haben ihn oft als „Orakel von Omaha“ bestätigt, mit einer beeindruckenden Rendite von 19,7 Prozent jährlich seit 1965.
Der Kontrast zwischen Buffetts Skepsis und der Markteuphorie erinnert an die New-Economy-Blase im Jahr 2000. Damals mussten Anleger lange warten, bis der Börsenabsturz einsetzte, bei dem der Nasdaq drei Viertel seines Werts verlor.
Heute treibt der Hype um künstliche Intelligenz den Markt an. Der Nasdaq-Index hat sich verdoppelt und wächst weiterhin dynamisch, selbst trotz geopolitischer Spannungen. Nvidia ist dabei ein Leuchtturm mit einem Börsenwert von über 5000 Milliarden Dollar.
Berkshire Hathaway steht im Gegensatz dazu für die traditionelle „Old Economy“ mit starken Beteiligungen in Branchen wie Technologie, Finanzen und Konsumgütern. Zudem verfügt es über ein umfangreiches Versicherungs- und Industriegeschäft, was zuletzt einen Betriebsgewinn von 11 Milliarden Dollar erzielte.
Greg Abel betonte auf der Generalversammlung die Effizienz des Konglomerats und dementierte Pläne zur Aufspaltung. Buffett selbst beschrieb die Börse einmal als Instrument, um Geld von den Ungeduldigen zu den Geduldigen zu übertragen. Während seine Anhänger ihm treu bleiben, steigt der Druck, das gebunkerte Kapital bald wieder einzusetzen.