Die Ankündigung von Präsident Donald Trump, die US-Zölle auf Autos von 15 Prozent auf 25 Prozent zu erhöhen, droht den Druck zur Kostensenkung in der deutschen Autobranche weiter zu verschärfen. Besonders betroffen wären dabei zwei Hersteller. Michael Leiters, Vorstandsvorsitzender von Porsche, zeigte sich noch vor wenigen Tagen optimistisch: “2026 steht für Porsche im Zeichen einer Neuausrichtung”, sagte er zur Veröffentlichung der Quartalszahlen. Die Umstrukturierung laufe trotz des turbulenten Weltgeschehens weitgehend nach Plan und stütze die Jahresprognose.
Doch eine Woche später könnte sich das Bild in der Porsche-Zentrale in Stuttgart-Zuffenhausen dramatisch geändert haben. Der von Präsident Trump angekündigte Zollanstieg würde nicht nur Porsche, sondern die gesamte deutsche Autoindustrie hart treffen. Alle Hersteller bauen auf den amerikanischen Markt und müssten ihre Wachstumspläne möglicherweise neu ausrichten. Eine Verschärfung der Sparprogramme sei wahrscheinlich.
Das Kieler Institut für Weltwirtschaft schätzt den negativen Effekt höherer Zölle auf 15 Milliarden Euro, langfristig könnten es fast 30 Milliarden Euro werden. Die ohnehin kämpfende deutsche Wirtschaft würde einen weiteren Rückschlag erleiden: Die Wertschöpfung könnte um 0,3 Prozent zurückgehen. In Europa wäre der Effekt nur in der Slowakei noch stärker spürbar, mit einem Minus von 0,9 Prozent. Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer rechnet jährliche Belastungen von 2,5 Milliarden Euro und sieht die Zölle als Beginn eines neuen Wirtschaftskriegs gegen Deutschland.
Porsche wäre besonders betroffen: Nordamerika ist der wichtigste Markt für das Unternehmen. Von Januar bis März verkaufte es dort jedes dritte von rund 58.500 Autos. Trotz schwieriger Bedingungen habe der Markt “hohe Resilienz” bewiesen, wie kürzlich berichtet wurde. Die bisherigen Zölle von 15 Prozent kosteten Porsche bereits 200 Millionen Euro. Besonders belastet ist das Unternehmen, weil es seine Wagen ausschließlich in Stuttgart und Leipzig fertigt.
Audi hat ebenfalls kein Werk in den USA. Im ersten Quartal verkaufte der Ingolstädter Konzern weltweit etwa 360.000 Autos, 6 Prozent weniger als im Vorjahr. Zwar wuchsen die Verkäufe in Deutschland und Europa leicht, doch brachen sie in den USA um 27 Prozent ein. Audi hatte angekündigt, die höheren Preise nur begrenzt an die Konsumenten weiterzugeben.
Beide Tochterunternehmen beeinflussen auch den VW-Konzern. Die Belastungen durch die Zölle bezifferte VW im vergangenen Jahr auf knapp 3 Milliarden Euro. Im ersten Quartal verkaufte der größte europäische Hersteller weltweit rund 2 Millionen Fahrzeuge, 4 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Der Rückgang in den USA fiel mit 20 Prozent besonders heftig aus und wurde auch auf die Zollsituation zurückgeführt.
Mercedes und BMW produzieren seit vielen Jahren eigene Autos in den USA. Nach Angaben des Branchenverbands VDA ist die Zahl der lokal hergestellten Fahrzeuge fast doppelt so hoch wie die Importe, aber mit einem Wert von knapp 31 Milliarden Euro sind die USA immer noch das wichtigste Exportziel. Trumps Ziel ist es, die Unternehmen zu mehr Produktion innerhalb der USA zu bewegen. Mercedes plant beispielsweise Investitionen in Höhe von 7 Milliarden Euro bis 2030. Aktivitäten dorthin zu verlagern, würde jedoch Zeit in Anspruch nehmen, während Zölle sofort wirken.