In der jüngsten Armeebotschaft 2026 hat der Bundesrat eine umfangreiche Aufrüstung beschlossen und darauf hingewiesen, dass die Schweiz aktuell nicht ausreichend geschützt sei. Gregor Metzler, der neue Chef des Kommandos Ausbildung bei der Schweizer Armee, äußerte sich im Interview mit dem ‘Club’ besorgt über die unzureichende Einsatzbereitschaft der Streitkräfte.
Seit Februar 2026 steht Gregor Metzler an der Spitze des Kommandos und ist verantwortlich für die Ausbildung sowie die Grundbereitschaft der Truppe. Als diplomierter Bauingenieur mit über drei Jahrzehnten Dienstzeit in der Armee, sieht er sich einer anspruchsvollen Situation gegenüber.
Auf die Frage nach seiner Gefühlslage im Amt antwortete Metzler: “In meiner Karriere erlebte ich stets ruhige Zeiten. Nun stehen wir jedoch vor einer komplexen Lage und ich habe großen Respekt davor.” Die Schweiz sei in ihrer aktuellen Konfliktbereitschaft unzureichend ausgestattet, so Metzler weiterhin.
Die Bedrohung könnte laut Metzler bereits innerhalb dieses Jahrzehnts beginnen. Er beschreibt drei Phasen: Anfangs die hybride Bedrohung durch Attacken auf kritische Infrastrukturen wie Stromversorgung, gefolgt von Bedrohungen aus der Distanz und schließlich einem umfassenden Konflikt mit Bodentruppen. Gegenüber diesen Risiken sei die Schweizer Armee nicht gewappnet.
Verteidigungsminister Martin Pfister prognostizierte, dass erst bis 2050 wieder eine voll einsatzfähige Armee bestehen würde. Metzler kritisiert zudem, dass es moralisch bedenklich sei, junge Rekruten auszubilden, ohne das nötige Material bereitzustellen.
Trotz der geplanten Erhöhung des Verteidigungsetats auf ein Prozent des BIP bis 2032 zeigt sich Metzler skeptisch: “Wir könnten als reiches Land mehr in unsere Sicherheit investieren.” Der Bundesrat hat am 20. März die neue Armeebotschaft verabschiedet, die den Ausbau der Luftverteidigung und den Schutz vor Drohnen und Cyberangriffen priorisiert.
Die Umfrageergebnisse zeigen, dass etwa 41 Prozent der Schweizer Bevölkerung bereit wären, ihr Land im Ernstfall zu verteidigen. Metzler merkt an, dass viele Rekruten den Dienst aufgrund von medizinischen Gründen oder dem Zivildienst verlassen.
Er betont: “Die Individualität in der heutigen Gesellschaft ist größer als das Gemeinschaftsgefühl.” Neutralität schütze die Schweiz nur, wenn sie nachhaltig bewaffnet sei. Der Glaube an einen Schutz durch die Nato sei riskant.
Das Interview führte Peter Düggeli und wurde von SRF News am 20. März 2026 ausgestrahlt.