Der Kriegseinsatz von Israel und den USA gegen den Iran hat die Kerosinpreise binnen weniger Wochen stark ansteigen lassen. Dies ist auf die Blockade der Straße von Hormus zurückzuführen, eine wichtige Wasserstraße für Öl- und Gaslieferungen weltweit. Ein Barrel Rohöl, das zuvor zwischen 85 und 90 Dollar kostete, ist nun im Bereich von 150 bis 200 Dollar notiert.
Die Luftfahrtbranche leidet massiv unter diesem Preisanstieg, da Kerosin etwa ein Viertel der Betriebskosten ausmacht. Die steigenden Kosten schränken die Gewinnspannen erheblich ein und zwingen Fluggesellschaften dazu, ihre Routen zu reduzieren oder den Betrieb vollständig einzustellen.
So musste beispielsweise die amerikanische Billigfluglinie Spirit Airlines nach 34 Jahren ihren Betrieb einstellen. Das Unternehmen begründete dies mit fehlender Finanzierung und drastisch gestiegenen Treibstoffkosten, wobei es keinen Schutz durch Jetfuel-Hedging hatte – eine Praxis, bei der Fluggesellschaften den Preis für einen Teil ihres zukünftigen Kerosinbedarfs frühzeitig festlegen.
Ein Hilfspaket in Höhe von 500 Millionen Dollar unter der Trump-Regierung kam nicht zustande. Rund 17’000 Arbeitsplätze gingen verloren, darunter etwa 14’000 Angestellte der Airline selbst sowie zahlreiche andere im Umfeld des Betriebs.
Spirit Airlines meldete bereits zweimal Insolvenz an und scheiterte mit einer geplanten Fusion mit JetBlue Airways im Jahr 2024 am Widerstand der US-Regierung, was eine mögliche Stabilisierung verhinderte.
Auch die britische Fluggesellschaft Ascend Airways zog sich zum 1. Mai vollständig aus dem Luftverkehr zurück. Ihre Maschinen wurden an Leasinggeber zurückgegeben und damit der Betrieb eingestellt. Das Unternehmen führte stark gestiegene Treibstoffkosten, geopolitische Spannungen sowie strukturelle Nachteile im europäischen Wet-Lease-Markt als Gründe an.
Die Lufthansa stellte ihre Regionaltochter Cityline Mitte April ein, deutlich früher als geplant. Ursprünglich war der Betrieb bis 2028 vorgesehen. Der Konzern begründete dies mit hohen Kerosinpreisen und andauernden Streiks. Rund 27 Flugzeuge wurden stillgelegt, was täglich etwa 150 Flüge aus dem Netzwerk eliminierte.
Die lettische Airbaltic sucht nach staatlicher Unterstützung, um ihren Betrieb aufrechtzuerhalten. Ende März wurde ein Überbrückungskredit in Höhe von 30 Millionen Euro angekündigt. Schon 2025 verbuchte die Fluggesellschaft einen Verlust von 44,3 Millionen Euro und konnte ihre Schulden nicht abbauen.
Michael O’Leary, CEO von Ryanair, warnte gegenüber der italienischen Zeitung «Il Sole 24 Ore», dass im Oktober oder November zwei bis drei europäische Airlines bankrottgehen könnten, falls die Ölpreise auf dem aktuellen Niveau bleiben. Er nannte dabei Airbaltic und Wizz Air als potenzielle Opfer.
Quelle: SRF 4 News, 2.5.2026, 12:30 Uhr