In Luzern treibt die wachsende Branche der bezahlten Angehörigenbetreuung Debatten um Fehlanreize voran. Firmen wie der ‘Pflegewegweiser’ werben aggressiv dafür, dass Angehörige für Pflegeleistungen entlöhnt werden und verdienen dabei Millionen. Kantonsrätin Jasmin Ursprung (SVP) will mit einem neuen Postulat Regeln einführen.
Das Geschäftsmodell sieht vor, dass pflegende Familienmitglieder bei einer Spitex-Organisation angestellt sind, wodurch Krankenkassen und Gemeinden Kosten übernehmen. Diese Firmen vermarkten das Modell oft als Entlastung für traditionelle Pflegedienste. Die Luzerner Politikerin fordert nun Transparenz in der Auszahlung an Angehörige und eine Differenzierung der Tarife je nach Qualifikation.
Nach einem Bundesgerichtsurteil von 2019 können Angehörige für bestimmte Dienstleistungen entlohnt werden. Dies hat jedoch zu einem lukrativen Markt geführt, in dem viele Firmen ohne eigene Pflegekräfte arbeiten und sich auf die Vermittlung von Angehörigen spezialisieren.
Recherchen zeigen, dass diese Modelle oft hohe Kosten verursachen und nur ein geringer Anteil der Gebühren an die pflegenden Personen weitergegeben wird. Kritik am aggressiven Marketing des ‘Pflegewegweisers’ führte zu öffentlicher Debatte über die Fairness dieses Systems.
Immer mehr Firmen steigen in diesen Markt ein und erzielen hohe Umsätze, was den finanziellen Druck auf Krankenkassen und Gemeinden erhöht. Die Luzerner Regierung sieht das Problem und unterstützt Ursprungs Postulat, welches die Schaffung klarer gesetzlicher Grundlagen fordert.
Ein Teil der Lösung soll eine Gesetzesrevision sein, die ab 2026 den Kostenausweis von Spitex-Organisationen vorsieht. Ziel ist es, Fehlanreize zu reduzieren und das System transparenter zu machen. Die Regierung plant, mit einer Revision des Betreuungs- und Pflegegesetzes im Jahr 2028 eine aktivere Rolle bei der Regulierung dieser Branche einzunehmen.