Im April 2016 verschwanden die Kräne und offenbarten den Zürcherinnen und Zürchern erstmals ungetrübt den Swissmill-Tower. Ein 118 Meter hoher Betonkubus, einst Teil der Baustelle am Sihlquai. Mit seiner Fertigstellung wurde klar: Der Turm bleibt bestehen. Viele betrachteten ihn nun genau – und fragten sich, ob das wirklich so geplant war.
Swissmill, eine Coop-Tochtergesellschaft, wollte Getreide in einem Silo speichern. Im Februar 2011 stimmte die Bevölkerung mit 58 Prozent dafür, obwohl der Quartier Wipkingen dagegen war. Der Zonenplan erlaubte dort eigentlich nur Gebäude bis 40 Meter Höhe.
Viele Befürworter zweifelten nach Fertigstellung an ihrer Entscheidung, da der kahle Turm ohne Fenster das Stadtbild prägte und seinen Schatten über die beliebte Limmat-Badi Unterer Letten warf. Medien äußerten sich vernichtend: Die “NZZ am Sonntag” titelte “118 Meter Hässlichkeit” und beschrieb den Turm als grauen, ungestalteten Betonkubus.
Die Tamedia-Zeitungen bezeichneten ihn als Verlust an Eleganz bei zunehmender Mächtigkeit. In Leserbriefen wurde der Vorschlag gemacht, die Fassade zu einer Kletterwand umzugestalten oder den Turm mit dem Wort “Ugly” zu verzieren.
Diskussionen entstanden über eine Komplott-Theorie: Die Stadt habe das Projekt in Sportferien gelegt, damit die Bevölkerung es nicht genau prüfe. Trotz Debatten und Vorschlägen für eine Verschönerung blieb der Turm unverändert, da die Stadt mit dessen Gestaltung zufrieden war.
Ein Jahr nach Inbetriebnahme klärte ein Tag der offenen Tür Gerüchte auf: Das 21. Stockwerk diente als Sitzungszimmer für Coop. Nach Entzauberung des Inneren verlor der Turm seine Rolle als Projektionsfläche und wurde zum Stadtbildbestandteil.
Heute ziert er Postkarten und Stadtführer. Eine Aktion von Sprayergruppe KCBR, die ihr Logo aufs Dach sprayten, lenkte kurzzeitig Aufmerksamkeit auf den Turm, doch das Aussehen ist kein großes Thema mehr. Ein Gerücht hält sich: Mitarbeiter nutzen den Turm für Marathon-Training.
Einige sehen im Schattenwurf sogar einen Vorteil bei heißen Sommern – der Turm hat seinen Platz in Zürich gefunden.