Die Bundesregierung erhöht die Besoldung der Beamten gemäß einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Diese Maßnahme könnte den öffentlichen Dienst attraktiver machen und dadurch Arbeitskräfte von der Privatwirtschaft abziehen, was zu Lasten der Steuerzahler geht.
Malte Fischer, Wirtschaftsredakteur der NZZ Deutschland, berichtet in seinem Newsletter «Der andere Blick am Morgen», dass Deutschlands Beamten im Mai erhebliche Gehaltserhöhungen erwarten. Diese sind nicht auf den jüngsten Tarifabschluss zurückzuführen, sondern resultieren aus einer umfassenden Anpassung der Besoldungsordnung durch die Bundesregierung.
Ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Vorjahr veranlasste diese Änderungen, indem es die Gehälter der Berliner Landesbeamten als unzureichend erklärte. Die Richter legten fest, dass kein Beamter weniger als 80 Prozent des mittleren Einkommens aller Beschäftigten verdienen dürfe und dass sich ihre Bezüge an Lohn- und Preisentwicklung orientieren müssen.
Die Bundesregierung ist durch das Urteil verpflichtet, die Gehälter landesweit zu erhöhen. Die zusätzlichen jährlichen Kosten für den Bundeshaushalt belaufen sich auf 3,5 Milliarden Euro. Beispielsweise erhalten Beamte der Besoldungsstufe A 14 nun bis zu fast 1300 Euro mehr pro Monat, was einem Anstieg von über 20 Prozent entspricht.
Auch in den niedrigeren Einkommensgruppen können Beamte mit Aufschlägen zwischen 500 und 600 Euro monatlich rechnen. Diese Erhöhungen stehen im Kontrast zur Privatwirtschaft, wo solche Lohnsteigerungen selten sind.
Um die Kosten zu kontrollieren, erwägt die Bundesregierung, Zweiteinkommen bei Beamtenfamilien zu berücksichtigen. Dies könnte jedoch rechtlich umstritten sein, da das Gericht fordert, dass ein Beamter seine Familie allein unterstützen kann.
Die Privatwirtschaft sieht sich mit der Herausforderung konfrontiert, Gehälter im Wettbewerb zu rechtfertigen, während Staatsdiener von festen Gehaltszuwächsen profitieren. Die Richter argumentierten, dass 80 Prozent des Median-Einkommens die Grenze zur Prekarität markieren, obwohl dies die absolute Höhe der Einkommen ignoriert.
Ein weiteres Privileg für Beamte ist ihre Unkündbarkeit, besonders in Krisenzeiten. Der Gehaltsanstieg könnte den öffentlichen Dienst noch attraktiver machen und innovative Branchen Arbeitskräfte entziehen. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels sollten Unternehmen bevorzugt die höchsten Produktivitäten erbringen.
Es wird empfohlen, dass Regierungen auf zusätzliche Verbeamtungen jenseits der Kernaufgaben verzichten, um Arbeitskräfte den produktiveren Sektoren zuzuführen. Unternehmen und Steuerzahler würden dies zu schätzen wissen.