Dina Casparis präsentiert mit «Die dunkle Seite der Schokolade» ihren dritten Kriminalroman, inspiriert durch ihre eigene Familienhistorie. Ihr Urgroßvater Carl Georg Bernhard, ein Pionier der Schweizer Schokoladenproduktion aus Chur und Mitbegründer von Müller & Bernhard (heute Chocolat Grison), ist eine Schlüsselperson in dieser Erzählung.
Die vielseitige Autorin, die ebenfalls als Balletttänzerin und Rechtsanwältin tätig ist, entwickelt eine Handlung, die im Schokoladenbusiness verortet ist. Obwohl der Text sprachlich solide daherkommt, glänzt er besonders durch seine fiktive Erzählung.
Der Roman nimmt den «Kernbeisser» von Chocolat Grison ins Visier – eine echte Schokoladenvariante namens Bergschokolade Haselnuss, die seit 1906 produziert wird. Der historische Hintergrund des Unternehmens, gegründet im Jahr 1893 und geprägt von Persönlichkeiten wie Rodolphe Lindt und Henri Nestlé, bildet eine reale Basis für das Geschehen.
Im Zentrum der Handlung steht Serafine Montalin, die als interne Ermittlerin in einem Schokoladenkonzern arbeitet. Ihre Aufgabe: den mysteriösen Unfalltod ihres Vaters aufzuklären und dabei auch dunkle Kapitel der Firmengeschichte zu beleuchten. Casparis thematisiert neben positiven Entwicklungen im Schokoladensektor, wie nachhaltige Produktion und faire Löhne, auch problematische Aspekte wie Korruption und Entwaldung in den Anbaugebieten.
Romane über die Herstellung von Schokolade sind ein aktuelles Trendthema. So wurde Martin R. Dean für seinen Roman «Tabak und Schokolade» 2024 für den Schweizer Buchpreis nominiert, während Ladina Bordoli eine Trilogie über historische Schokoladenpionierinnen verfasst. Lisa Graf hingegen beleuchtet in ihrer Serie die Geschichte von Lindt & Sprüngli.
Die ersten Seiten von Casparis’ Roman wirken wie ein ausführlicher Wikipedia-Artikel, doch die Lektüre wird schnell spannend und bietet kulinarische Einblicke sowie eine Mordaufklärung. Die Beziehung zwischen Serafine und ihrer Jugendliebe Matthis ist zwar gelegentlich übertrieben beschrieben, fügt sich aber gut in das Gesamtwerk ein.
Nina Kobelt schreibt für Keystone-SDA diesen Text, unterstützt durch die Gottlieb und Hans Vogt-Stiftung.