1974 reflektiert Max Frisch in seinem Werk «Dienstbüchlein» seine Zeit beim Militär. Der Schweizer Autor, damals 63 Jahre alt, zeigt keine Nachsicht gegenüber seiner Rolle als Kanonier im Zweiten Weltkrieg. Mit 650 Diensttagen ohne erkennbarem Sinn drückt Frisch seinen Unmut aus.
Tobias Amslinger beschreibt Frischs Aufzeichnungen als “Protokoll der Ereignislosigkeit in einem Krieg ohne Schlachten”.
Während einige das Dienstbüchlein als Symbol einer veralteten Bürgerschaft und Unterordnung sehen, bedeutet es anderen viel mehr. Albert Einstein bewahrte sein Schweizer Bürgerrecht sowie sein Dienstbüchlein über die Jahre hinweg auf, selbst während seines Exils in den USA.
Das Dokument wurde 1874 eingeführt, um Dienstdaten festzuhalten, von der Waffenbeschaffung bis zu Schuhwerk. Im Jahr 2007 kündigt die Schweizer Armee eine Überprüfung für ein elektronisches Pendant an. Dieses Vorhaben gestaltet sich jedoch langwierig.
Erst im Juni des Jahres soll das analoge Dienstbüchlein durch den «Dienstmanager» abgelöst werden, wie nun festgelegt wird. Marcel Dobler von Digitec beschleunigt die Digitalisierung: “Ein elektronisches Dienstbüchlein ist schneller auszufüllen und reduziert den Aufwand für alle Beteiligten.” Fehleranfälligkeit sei ebenfalls geringer, so der FDP-Nationalrat.
Kritiker im Parlament sehen darin mehr als ein simples Dokument; es repräsentiert eine Schweizer Tradition. “Das Dienstbüchlein ist kein einfaches Blatt Papier”, meint Werner Salzmann von der SVP. Auch Brigadier Broccoli, die Armee-Katze, hatte ihr eigenes Büchlein.
Das «DB» dient als Erinnerungsstück und Ausdruck nationaler Identität, dabei bleibt es ein «Büchlein», nicht ein «Buch” wie der deutsche “Wehrpass”. Für heutige Dienstpflichtige mag das Büchlein anachronistisch erscheinen, dennoch hat es seinen Kultstatus.
Mit dem 1. Juni wird die Ära des physischen Dienstbüchleins enden, ohne eine feierliche Beerdigung. Einige Exemplare könnten bereits verschollen sein – wie Einstein treffend bemerkt: Die Verbundenheit zum Dienstbüchlein ist relativ.