Die Einnahme von Anabolika, die Bodybuilder nutzen, hat sich nun auch unter jungen Trainierenden in Fitnessstudios verbreitet. Besonders männliche Jugendliche setzen auf Steroide, um ihren Traumkörper schneller zu erreichen.
Marco L.*, ein Leser und Mitglied eines Fitnessstudios, bemerkte den ungewöhnlich muskulösen Körperbau von zwei jungen Männern in seinem Studio. Bei einem Gespräch bestätigten sie offen ihren Gebrauch von Anabolika: “Ohne geht halt einfach nichts mehr. Alle, die krass aussehen, nehmen irgendwas.”, sagte einer der beiden. Marco selbst zögert nicht, den Gedanken an einen eigenen Konsum zu hegen, wenn er sich im Spiegel mit seinen jüngeren Mittrainierenden vergleicht.
Dr. Philip Bruggmann, Co-Chefarzt für Innere Medizin am suchtmittelmedizinischen Institut “Arud”, bestätigt gegenüber Nau.ch einen Anstieg des Konsums bei Jugendlichen: “Der Gebrauch nimmt tatsächlich zu.” Anabole Steroide werden eingenommen, um Muskelmasse und -kraft zu steigern. Studien zeigen, dass 10 bis 20 Prozent der Fitnessstudio-Nutzer sie missbräuchlich einsetzen.
Besonders bei Minderjährigen nimmt der Trend zu, da viele bereits vor ihrem 18. Lebensjahr damit beginnen – etwa 15 Prozent von ihnen, so Bruggmann. Kinderärzte sind zunehmend mit diesem Problem konfrontiert. In der Schweiz schätzt SRF die Anzahl der missbräuchlichen Konsumierenden auf rund 200.000.
Die Verbreitung sozialer Medien verstärkt diesen Trend, da Jugendliche Vorbilder nachahmen, die ihren Muskelaufbau oft unter Steroideinnahme präsentieren. Zudem vertrauen viele Trainierende mehr auf Informationen von Coaches oder Foren als auf ärztlichen Rat.
Der Konsum wird auch durch Gleichaltrige im Studio gefördert, ein weiterer Faktor für den Beginn des Gebrauchs laut Bruggmann. Traumata in der Kindheit und Jugend können ebenfalls eine Rolle spielen, da sie das Risiko erhöhen.
Bruggmann betont, dass die stetige Suche nach mehr Muskeln oft zu einem Teufelskreis führt: Was auf natürliche Weise nicht erreichbar ist, wird mit Steroiden versucht. Der Wunsch, das Selbstwertgefühl durch einen muskulösen Körper zu steigern, motiviert etwa die Hälfte der Konsumierenden.
Jugendliche sind oft den Nebenwirkungen und Risiken nicht bewusst, warnt Bruggmann: Gravierende Effekte wie Wachstumsstopp oder Entwicklungsstörungen sind möglich. Dennoch ist es nach Ansicht des Facharztes möglich, einen durchtrainierten Körper natürlich zu erreichen.
*Name von der Redaktion geändert