Es könnte Tausende von Patientinnen und Patienten geben, die sich nun sorgen. In der Zeit des früheren Direktors Francesco Maisano wurden im Herzen des Zürcher Universitätsspitals rund 4500 Operationen durchgeführt. Nach Veröffentlichung eines Berichts vom Dienstag ist bekannt: Zwischen 2014 und 2020 wurde nicht die erwartete Qualität und Sorgfalt bei den Eingriffen gewährleistet.
Die Untersuchung ergab, dass es weit mehr als nur zwei Dutzend eindeutige Verstöße gab. Zudem wurden über 120 Eingriffe als umstritten eingestuft. Eine Empfehlung der Kommission lautet daher, alle betroffenen Patientinnen und deren Angehörigen proaktiv zu informieren. Das Spital hat in 24 Fällen Kontakt aufgenommen, bei denen ein offensichtliches Fehlverhalten vorlag und die Unterlagen an die Staatsanwaltschaft weitergegeben wurden.
Alle übrigen Patientinnen und Patienten sollen sich nun an eine neu eingerichtete Informations- und Beratungsstelle unter der Telefonnummer 044 255 70 70 wenden, um Klarheit zu erhalten. Bis Donnerstagabend meldeten sich dort laut Spitalbericht über 50 Personen. Ein Drittel dieser Anliegen konnte bereits im Gespräch geklärt werden; längerwierig sind Fälle, die Haftungsansprüche betreffen.
Die Untersuchung hat eine überzogene Risikokultur und wiederholt mangelnde Operationstechniken während Maisanos Amtszeit festgestellt. Diese Umstände könnten auch bei nicht untersuchten Eingriffen zu suboptimalen Behandlungen geführt haben.
Analysiert wurden nur einige der rund 4500 Operationen: die 307 tödlichen Fälle sowie über 1500, bei denen ein invasiver chirurgischer Eingriff zugunsten eines minimalinvasiven Verfahrens mit Implantat ausgesetzt wurde. Bei diesen Geräten hat die Kommission nicht nur deutlich unangemessene, sondern auch mehr als 120 umstrittene Fälle identifiziert.
Zu Fragen könnten ebenso Patienten gehören, bei denen das umstrittene Implantat Cardioband eingesetzt wurde – insgesamt 43 Fälle. Daher ist zu erwarten, dass die Anrufzahlen beim Unispital weiter steigen werden.