Die schweizerische Armee verabschiedet sich vom traditionellen Dienstbüchlein zugunsten des sogenannten Dienstmanagers. Dieser digitale Ansatz symbolisiert mehr als nur einen Namenswechsel; er markiert eine tiefgreifende Transformation der militärischen Dokumentationskultur. Das klassische Dienstbüchlein, ein kleines Notizbuch für den Hosensack, war bislang das Symbol der Schweizer Armee. Offiziell als Ausweis gedacht, enthielt es detaillierte Informationen wie die Vorschriften über Verpflegung und Ausrüstung bei Kriegsmobilmachung sowie Weisungen an den Träger, darunter das Gebot, das Büchlein niemals nichtmilitärischen Stellen zu zeigen. Es war ein Instrument der Ordnung – persönlich gepflegt von jedem Soldaten und jeder Soldatin. Der Dienstmanager setzt ab dem 1. Juni die digitalen Zeichen für eine moderne Armee. Dieser digitale Ansatz ermöglicht nicht nur die Verwaltung von Dienstbefehlen, Urlaubsgesuchen und weiteren administrativen Aufgaben, sondern auch den Austausch von Jahresbotschaften der Kommandanten an ihre Soldaten. Brigadier Markus Rihs, Chef Personelles der Armee, hebt hervor: „Der Dienstmanager ist weitaus mehr als ein elektronisches Dienstbüchlein.“ Obwohl das Büchlein einst den Leistungsausweis eines jeden Soldaten darstellte und Einblicke in die körperliche Eignung sowie Ausrüstungslisten bot, bleibt seine schweizerische Besonderheit unvergessen. Max Frisch, der 650 Dienstage als Kanonier diente, widmete sich in seinen literarischen Erinnerungen dem Thema und prangerte an, wie Uniformen das Gewissen entlasteten. Die Umstellung auf den digitalen Dienstmanager ist nicht nur eine Modernisierung, sondern auch ein Schritt zur Kosteneinsparung: Millionen von Papierbögen und Franken für Porto sollen eingespart werden. Die gesamte Digitalisierung kostete 50 Millionen Franken, aber die Armee sieht sich als Vorreiter in der digitalen Transformation. Die Umstellung wird emotional aufgenommen; Brigadier Rihs erwartet „Emotionen bei gewissen Herren mit höheren Graden und über tausend Diensttagen“. Doch das Büchlein bleibt ein Andenken, das an die Wand gehängt werden darf. Die Zukunft der Schweizer Armee wird von digitalen Plattformen geprägt sein, die sogar den Zugang zu sozialen Netzwerken wie Instagram und TikTok ermöglichen.