Die Wahrnehmung der USA in Asien nimmt eine negative Wendung. Diese Entwicklung ist ein Prozess, nicht nur durch Trump verursacht, sondern auch von anderen Faktoren beeinflusst. China profitiert dabei deutlich.
Vor über einem Jahrzehnt verkündete Präsident Barack Obama den “Pivot to Asia”, mit dem Ziel, Partnerschaften in Asien wirtschaftlich und militärisch zu stärken. Dieses Vorhaben kam jedoch nie zustande – weder unter Trumps noch Bidens Regierung.
Asiens Landschaft hat sich gewandelt: China wird von einem Partner zu einem Gegner der USA. Zudem haben Desinteresse, unklare Versprechen und die Energiekrise nach dem Iran-Krieg den Blick auf die USA verändert. Die US-Politik konzentrierte sich in Ostasien auf die Stärkung bestehender Allianzen mit Südkorea, Japan und den Philippinen.
Vor allem der Abzug von Waffen und Truppen aus Asien für den Iran-Krieg sorgt in diesen Staaten für Besorgnis. Die Unsicherheit bezüglich des US-Engagements führt dazu, dass sich Länder wie die Philippinen unter wirtschaftlichem Druck China annähern.
Im Südchinesischen Meer stehen sie unter chinesischem Einfluss, und es gibt Forderungen nach gemeinsamer Ressourcennutzung mit China. In Taiwan stärkt der Zweifel an der amerikanischen Zuverlässigkeit jene Kräfte, die eine Annäherung an China befürworten.
Die Studie “The State of Southeast Asia” des Institute for Southeast Asian Studies zeigt auf, dass das unvorhersehbare Verhalten der USA unter Trump als Hauptgeopolitisches Problem gesehen wird. Die Region bevorzugt zunehmend die Anlehnung an China in internationalen Konflikten.
Der Einfluss der USA ging zurück, nachdem sie sich aus Initiativen und Abkommen wie dem Trans-Pacific Partnership zurückzogen. Iseas-Umfragen zeigen einen Wandel: 52 Prozent sehen Chinas als die bevorzugte Macht.
Die wirtschaftliche Stabilität ist für China essenziell. Xi Jinping strebt danach, ein berechenbares Amerika zu haben, um seine eigene Vorstellung eines aufstrebenden Ostens zu unterstützen. Das unberechenbare Verhalten der USA wird in Peking als Schwäche interpretiert.
Indien, ehemals enger Partner der USA, verliert ebenfalls das Vertrauen, nachdem Trump die Handelsbeziehungen strapazierte und Pakistan bevorzugte. Die indische Regierung reagiert zurückhaltend, während rechte Stimmen in Indien eine kritischere Haltung gegenüber den USA einnehmen.
China hat sich als Gewinner aus dem Nahostkonflikt positioniert, wodurch sein Ansehen weltweit gestärkt wird. Trotzdem sucht China nach Stabilität und einem berechenbaren Umfeld, um seine eigene Modernisierung voranzutreiben.