Einige Diplomaten kritisieren die sogenannte «Genfer Blase» als weltfremd. Doch die EU-Botschafterin Deike Potzel bleibt optimistisch und setzt sich unermüdlich für den Multilateralismus ein. Europatag ist für sie persönlich von großer Bedeutung, da sie in der DDR aufwuchs. Sie sieht die EU als das größte Friedensprojekt, welches zeigt, dass aus Ruinen gemeinsamer Wohlstand entstehen kann.
Frau Potzel betont, dass ihre Rolle im multilateralen Genf durchaus sinnvoll ist, da hier viel erreicht wird. Europa und die EU werden oft als Vorbild für den Schutz von Normen und Rechten gesehen. Beispielsweise unterstützt die EU kleinere Inselstaaten im Kampf gegen den Klimawandel.
Der US-Präsident Donald Trump hat viele Organisationen in Genf finanziell geschwächt, indem er deren Budgets um 20 Prozent oder mehr kürzte. Trotz dieser Herausforderungen ist die EU-Botschafterin überzeugt, dass das multilaterale System und die Vereinten Nationen nach wie vor eine solide Basis für globale Zusammenarbeit bieten.
Obwohl einige Staaten wie Israel und Argentinien das UN-System kritisieren, sieht Frau Potzel in den UN unverzichtbare Foren. Sie widerspricht der Ansicht, dass die «Genfer Blase» den globalen Herausforderungen nicht gewachsen sei. Vielmehr ist ihr klar, dass hier die Schwierigkeiten und Notwendigkeit von Reformen im Multilateralismus erkannt werden.
Frau Potzel hebt hervor, dass der Menschenrechtsrat ein zentraler Fokus für die EU in Genf ist. Durch Resolutionen wird das internationale Recht gestärkt, was beispielsweise den Schutz von Kindern in Konflikten betrifft.
Des Weiteren engagiert sich die EU in der WHO für bessere Pandemievorsorge und in der ILO für Arbeiterrechte. Diese technischen Organisationen sind entscheidend für die Gestaltung unserer Zukunft, wie Frau Potzel betont. Sie beobachtet geopolitische Spannungen auch innerhalb dieser Institutionen.
In Bezug auf den Ukraine-Krieg bleibt Genf fokussiert und will Russland nicht normalisieren. Die UN-Reform «UN80» schreitet voran, obwohl noch mehr Anpassungen nötig sind. Ohne diese Reformen könnte das Vertrauen in internationale Akteure weiter sinken, was die Bewältigung globaler Herausforderungen erschweren würde. Potzel ist jedoch optimistisch und arbeitet täglich daran, solche Szenarien zu verhindern.