Der Lausanner Versorger Gaznat plant die Errichtung eines Gasspeichers in den Alpen, unterstützt vom Industrieverband Swissmem. Axpo hingegen sieht keine Notwendigkeit für das Projekt.
Europa steht unter erheblichem Energieversorgungsdruck, verschärft durch den Iran-Krieg und ein extrem kaltes Frühjahr in Europa im Februar und März. Europas Gasspeicher sind auf einem historischen Tiefstand von 30 Prozent gefüllt.
Im Gegensatz dazu hat die Schweiz keine nennenswerten eigenen Gasspeicher, obwohl Erdgas der drittwichtigste Energieträger ist. Der Bund verlangt eine Reservehaltung von 15 Prozent des Jahresverbrauchs über ausländische Speicherkapazitäten.
René Bautz, Präsident von Gaznat, erinnert sich an die Unzuverlässigkeit solcher Reserven während einer Kältewelle in den frühen 2000er Jahren. Seine Erfahrung zeigt, dass Versorgungssicherheit im Krisenfall auf eigener Infrastruktur basieren muss.
Seit 2007 plant Gaznat daher einen eigenen Gasspeicher bei Oberwald im Wallis. Nach erfolgreichen Sondierungsbohrungen soll in den Granitkavernen Gas für Winterreserven und Netzschwankungsausgleich gelagert werden. Bautz schätzt die Investitionskosten auf 450 bis 500 Millionen Franken, vergleichbar mit dem Not-Gaskraftwerk, das im Krisenwinter 2022 errichtet wurde.
Industrieverband Swissmem sieht in einem Schweizer Gasspeicher einen wichtigen Puffer für den zukünftigen Strommix. Allerdings muss die Industrie bei einer Mangellage gesichert werden, um nicht von der Versorgung abgeschnitten zu werden.
Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) begrüßt das Projekt, fordert aber eine Finanzierung durch die Wirtschaft. Unter bestimmten Bedingungen ist auch eine staatliche Förderung möglich.
Axpo hält den inländischen Speicher nicht für notwendig und verweist auf alternative Brennstoffe und bestehende Netzkapazitäten. Bautz bleibt jedoch überzeugt von der Notwendigkeit eines Schweizer Gasspeichers und setzt seine Hoffnung auf die nationale Speicherstrategie.
Der geplante erste Kavernenspeicher könnte die Schweiz in Krisenzeiten unterstützen, wäre aber nicht ausreichend für eine lang anhaltende europäische Gasmangellage. Bautz plant weitere Anlagen im Grimselmassiv und sucht nach Interesse bei anderen regionalen Gasversorgern.
Letztlich muss entschieden werden, ob der Speicher als systemrelevante Versicherung gilt und wer die Kosten übernimmt. Ein positives politisches Signal könnte den Start des Projekts zwischen 2030 und 2040 ermöglichen.