Die Phase der rücksichtslosen Investitionen ist vorbei: Aufgrund des Iran-Konflikts hat Saudiarabien seine Sportausgaben gekürzt. Projekte wie die LIV-Golf-Tour könnten eingestellt werden.
LIV Golf, eine von Saudi-Arabiens Staatsfonds finanzierte professionelle Golftour, löste 2022 Aufsehen aus, als sie hochbezahlte Profis vom etablierten PGA-Format abwarb. Unter ihnen waren Stars wie Lee Westwood und Dustin Johnson.
Der Guardian berichtet von fünf Jahren mit Investitionen in Höhe von 5 Milliarden Dollar durch Saudi-Arabien, doch die Tour verzeichnete hohe Verluste. Nun plant der Staatsfonds, die Finanzierung im laufenden Jahr einzustellen – womöglich das Ende für LIV Golf.
Die Golfregion leidet unter den Folgen des Krieges: Tourismus bricht ein, Investitionen sinken und Konsumschwäche macht sich breit. Die finanzielle Krise führte zu einem Sparkurs in Saudiarabien, wie Sportökonom Simon Chadwick erklärt.
In den letzten Jahren investierte das Land massiv in verschiedene Sportarten – von Fußball über Formel 1 bis hin zu E-Sport. Doch in der neuen Strategie des Staatsfonds für die Jahre 2026 bis 2030 fehlt jegliche Erwähnung des Sports.
Saudiarabien plant nun, weniger Sportveranstaltungen auszurichten und verzichtet möglicherweise auf seine Bewerbung um die Rugby-Weltmeisterschaft 2035. Chadwick betont: “Der Fokus liegt auf globalen Megaevents wie der Expo in Riad 2030 und der Fußball-WM 2024.”
Die finanzielle Unterstützung unterer Sportebenen steht zur Disposition, auch die heimische Saudi Pro League wird geprüft. Trotz hoher Investitionen in Stars wie Cristiano Ronaldo oder Neymar blieben Sponsorengelder und ausländisches Interesse aus.
Der Staatsfonds hat erkannt, dass hohe Gehälter und Ablösesummen nicht automatisch Wachstum garantieren. Kürzlich wurden 70 Prozent des Riad-Clubs Al-Hilal an ein Mitglied der Königsfamilie verkauft.
Diese Entwicklung erinnert an Chinas Versuche, durch den Fußball zu einer Sportmacht aufzusteigen. Nach hohen Investitionen und dem Kauf von europäischen Klubanteilen intervenierte die Regierung wegen finanzieller Schwierigkeiten während der Pandemie.
Allerdings hat sich China wirtschaftlich diversifiziert und ist eine Industrienation geworden, sodass ein Scheitern im Sport nicht dramatisch wäre. In Saudiarabien sieht Islamwissenschaftler Sebastian Sons den Sport als Motor für gesellschaftliche Veränderungen: Die Monarchie öffnet neue Unterhaltungsformen, um die Abhängigkeit vom Öl zu reduzieren und Arbeitsplätze für eine junge Bevölkerung zu schaffen.
Der Kronprinz Mohammed bin Salman verlässt sich auf ambitionierte Jugendliche für gesellschaftliche Reformen. Der Sport bleibt politisch bedeutsam als Teilhabe- und Legitimationsfeld, wie Sons betont. Die Herausforderungen durch den Golfkonflikt könnten die Sportstrategie gefährden, doch der politische Stellenwert bleibt.
Saudi Aramco, ein führender Sponsoringpartner von Formel 1 und FIFA, spielt eine Schlüsselrolle in dieser Strategie. Die Partnerschaft mit Cristiano Ronaldo 2025 im Weißen Haus zeigt die geopolitischen Ziele des Sportsponsorings auf.
Zukünftig wird Saudi-Arabien zielgerichteter vorgehen, was bedeutet, dass Sportverbände alternative Einnahmequellen suchen müssen.