Kritik aus der Premier League beklagt fehlende Konkurrenz in den Ligen, doch Zahlen erzählen eine andere Geschichte. Die Frage nach dem Ausmass des Spektakels im Fußball wurde nach dem Halbfinalspiel zwischen Paris Saint-Germain und Bayern München laut – ein Match mit 9 Toren endete 5:4. PSG-Trainer Luis Enrique gestand, so etwas noch nie trainiert zu haben.
Sowohl er als auch Vincent Kompany, der Bayern-Coach, wurden nach dem Hinspiel für das hohe spielerische Niveau gelobt, das vom Verteidiger bis zum Stürmer auf beiden Seiten glänzte. Mikel Arteta von Arsenal, dessen Team gegen Atlético Madrid im Halbfinale stand, bezeichnete das Spiel trotz seiner Präferenz für risikoarmen Fußball als faszinierend. Er betonte jedoch die Bedingungen: PSG erlebe in der Ligue 1 wenig Konkurrenzdruck und absolviere weniger Spiele.
Arteta vergleicht diese Umstände mit denen der Bundesliga, wo Bayern München ebenfalls überlegen agiere. Diese Sichtweise beruht auf einem Topos der Premier-League-Anhänger: Die französische Liga und die deutsche seien im Vergleich zur englischen zweitrangig, was es einfacher mache, im Frühjahr stark aufzutreten.
Trotz des Rufs der Premier League als hochklassige Liga zeigt ein genauerer Blick auf Spielerstatistiken, dass Bayerns Offensive mit durchschnittlich 3700 Einsatzminuten pro Spieler mehr Spielzeit verzeichnet als Arsenals Stürmer. Auch im Mittelfeld liegt Arsenal vorn: Martin Zubimendi und Declan Rice kommen auf über 4000 Minuten, verglichen mit Joshua Kimmich (3713) und Alexander Pavlović (2906) bei Bayern.
Artetas Argument erscheint somit schwächer als zunächst angenommen. Luis Enrique entgegnete, dass jeder seine Meinung haben dürfe, wobei die Entscheidung für 20 Teams in der Premier League bewusst sei.
Die Stärke einer Liga zu bestimmen ist komplex. Die hohe Leistungsdichte ist nur ein Faktor. Wenn behauptet wird, dass Engländern daraus Nachteile entstehen, muss man genauer betrachten: In Bayerns Dominanz-Ära wurde oft gefordert, der Klub benötige einen Herausforderer wie Borussia Dortmund, um international konkurrenzfähig zu bleiben.
Ein weiteres Maß für die Stärke einer Liga sind internationale Erfolge. Die Premier League hat seit 2010 weniger Champions-League-Titel gewonnen als Real Madrid allein. Manchester City benötigte unter Pep Guardiola sieben Jahre, um den Titel nach Hause zu holen.
Spanien dominiert mit neun Europa-League-Titeln in zehn Jahren die Kategorie, während englische Klubs nur viermal triumphierten. In der Conference League stellte die Premier League seit 2022 zwei Sieger, West Ham United und den FC Chelsea, auf.
So relativiert sich Artetas Aussage, und der Fokus verschiebt sich auf das, was ein Match wie zwischen Bayern und PSG erst ermöglicht: zwei herausragende Teams mit mutigen Trainern.