Das älteste Hallenbad der Schweiz, das St. Galler Volksbad, steht vor dem Aus. Der Jugendstil-Bau aus dem Jahr 1906 besticht durch seine Einfachheit: ein kleines Schwimmbecken ohne moderne Attraktionen wie Wasserrutschen oder Sprudeldüsen und grundlegende Umkleide- sowie Duschmöglichkeiten. Dieser urige Charme zieht viele Besucher an, die das Bad als Gegenentwurf zu moderneren Badeanlagen schätzen.
Historisch gesehen bot die Anlage neben dem Schwimmbecken auch Wannenbäder und Duschen für die breite Bevölkerung. Damals hatten laut Stadtauskunft nur etwa 18 Prozent der Wohnungen ein eigenes Bad. Heute ist das Volksbad weiterhin beliebt, besonders bei Schulklassen für den Schwimmunterricht. Unter Denkmalschutz stehend, wurden am und im Gebäude lediglich geringfügige Anpassungen vorgenommen.
Nun droht der 120-jährigen Institution die Schließung. St. Gallen kämpft mit finanziellen Engpässen und plant Ausgabenkürzungen, darunter eine Einsparung von jährlich rund 420’000 Franken durch den Verlust des Volksbades ab 2028.
Stadtrat Mathias Gabathuler beschreibt das Bad als „Patient auf der Intensivstation“. Mit der geplanten Eröffnung des neuen Hallenbads Blumenwies im Herbst 2027, das eine doppelte Wasserfläche bieten wird, sieht er keinen Grund mehr für den Betrieb des Volksbades. Die marode Bausubstanz verstärkt die Argumente gegen dessen Fortbestand.
Viele Besucher sind jedoch traurig über die mögliche Schließung: Eine 85-jährige Schwimmerin erinnert sich an viele Jahre im Bad, sogar mit ihren Kindern, die inzwischen 50 sind. Ein weiteres Highlight ist der Warmwassertag donnerstags, bei dem das Wasser auf angenehme 33 Grad erhitzt wird.
Eine jüngere Besucherin schätzt die Nähe des Bades zu ihrer Wohnung und nutzt es als Ersatzdusche. Sie betont den besonderen Charakter des Ortes, der unbedingt erhalten bleiben sollte.
Im November entscheidet das Stadtparlament über die geplanten Sparmaßnahmen. Die Stadt hofft auf ein privates Engagement zur Rettung des Bades und führt Gespräche mit den Schweizer Jugendherbergen, welche eine Machbarkeitsstudie durchführen, um ihre Eignung als Betreiber zu prüfen.
Regionaljournal Ostschweiz, 30.4.2026; 17:30