Viele Menschen fragen sich angesichts der jüngsten Ereignisse am Universitätsspital Zürich, ob das Vertrauen in Ärzte und Spitäler noch gerechtfertigt ist. Oliver Peters, ehemaliger Vizedirektor des Bundesamts für Gesundheit (BAG) und Co-Autor der Untersuchung zu den Vorfällen, betont die Notwendigkeit eines kritischen Vertrauensverhältnisses zwischen Patienten und medizinischen Einrichtungen. Peters warnt davor, Ärzten blind zu vertrauen und rät Patienten, sich vor risikobehafteten Eingriffen über die Erfahrung des Spitals im jeweiligen Bereich zu informieren.
Peters empfiehlt Patienten, auf wirtschaftliche Interessen bei ihrer Behandlung zu achten. In gut geführten Spitälern werden Patienten basierend auf ärztlicher Kompetenz und nicht nach Versicherungsklasse behandelt. Zudem sollten sie die Kultur innerhalb des Spitals einschätzen, insbesondere in Bezug auf Teamarbeit und Kommunikation.
Obwohl Patienten den Fachleuten ausgesetzt sind, betont Peters, dass das Vertrauen sowohl in den Arzt als auch in das Spital selbst gelegt werden sollte. Ein gutes Spital zeichnet sich durch regelmäßige Durchführung von Behandlungen und kontinuierliche Überwachung der Ergebnisse aus.
Der Skandal am Universitätsspital Zürich wirft Fragen auf, ob solche Vorfälle in anderen Spitälern möglich sind. Peters weist darauf hin, dass Führungsprobleme und Interessenkonflikte potenziell überall auftreten können. Der besondere Aspekt des Unispitalkandals sei die nachlässige Regelung von Interessenkonflikten sowie der mangelhafte Schutz der Patienten gewesen.
Sein Rat an verunsicherte Patienten lautet, sich im Zweifelsfall eine Zweitmeinung in einem renommierten Spital einzuholen. Peters sieht die Notwendigkeit, dass Interessenkonflikte in allen Spitälern streng geregelt werden und fordert höhere Ansprüche an die Verantwortlichen in den Leitungen.
Das Interview führte Reena Thelly. SRF 4 News gibt jeden Wochentag um 16 Uhr Einblicke in aktuelle Themen.