Friedrich Merz erklärte kürzlich, kein Bundeskanzler habe so viele Belastungen ertragen müssen wie er. Dies wirft Fragen auf, warum öffentliches Klagen einem Politiker schaden kann. Vor über einhundert Jahren sprach Max Weber in seinem Vortrag «Politik als Beruf» von der Notwendigkeit, mit Leidenschaft und Augenmaß hartnäckig zu sein – eine wenig verlockende Beschreibung des politischen Alltags. Zudem müsse sich ein Politiker stets mit seiner Eitelkeit auseinandersetzen, die Weber als «Todfeindin aller sachlichen Hingabe» beschrieb.
Friedrich Merz erlebte den Weg zur Macht als Leidensweg. Er kandidierte dreimal innerhalb von drei Jahren für das Parteipräsidium der CDU, zuletzt 2021, was ihm Freunde und Familie nahelegten: «Warum tust du dir das noch mal an?» Merz selbst sprach damals von einem irrationalen Verhalten, begründbar jedoch durch den Willen zur Macht oder die Sehnsucht zu gestalten.
Seit einem Jahr ist Merz Bundeskanzler und seine jüngsten Äußerungen knüpfen an vergangenes Leid an. In einem Interview mit dem «Spiegel» sagte er: «Kein Bundeskanzler vor mir hat so etwas ertragen müssen», wobei er sich auf Anfeindungen in den sozialen Netzwerken bezog, die auch Gerhard Schröder nicht erleben musste. Doch Merz beschwert sich nicht.
In einer ARD-Talkshow mit dem Titel «Ein Jahr Kanzler: Wie schwer ist Regieren, Herr Merz?» betonte er: «Ich habe keine Vollmacht, die CDU umzubringen», als Antwort auf eine potenzielle Minderheitsregierung. Während Medien solche Themen setzen können, kultiviert Merz bewusst eine negative Energie.
Der Mann, der einst «Rambo Zambo» verkündete, schwelgt nun in Kanzlerleiden. Weber erinnert uns: Was ist größerer Eitelkeit als seine Probleme zu öffentlichen Angelegenheiten zu machen? Dies lässt die Wähler zweierlei denken: Politik ist freiwillig und bietet Ausstiegsmöglichkeiten, falls es einem zu viel wird.
Zudem stellt sich die Frage, ob Merz mehr auf die nationalen Sorgen oder seine persönliche Misere fokussiert. Öffentliches Klagen macht zwar nahbar, kann aber für Politiker gefährlich sein. Ihr Beruf ist die Fürsorge für die Öffentlichkeit.
Selbstthematisierung und offene Kommentare zu politischen Partnern bergen Risiken. Merz’ kritische Äußerungen über Amerika lösten eine Krise mit dem amerikanischen Präsidenten aus, der daraufhin 5000 Soldaten aus Deutschland abziehen ließ.
Dies könnte als Zeichen für die neue Wehleidigkeit von Politikern gedeutet werden. Die USA erwarten mehr Dankbarkeit; Verteidigungsminister Pete Hegseth sprach vom Schutz der Strasse von Hormuz als «Geschenk für die Welt». Fehlende Wertschätzung wird schwer empfunden, und wer Politiker sein will oder eine Weltmacht repräsentiert, sollte sich nicht beklagen.