Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass Pflegekräfte und Bauarbeiter ihre Tätigkeit als besonders erfüllend empfinden. In der Pflege fühlen sich 80 Prozent der Befragten sinnvoll beschäftigt, wobei Berufsstolz und Jobsicherheit hoch sind. Kritisch gesehen werden jedoch die Arbeitsbedingungen, insbesondere die Balance zwischen Berufs- und Privatleben.
Im Bau wird Zufriedenheit durch die sichtbare Leistung am Ende des Arbeitstages beeinflusst; drei Viertel der Befragten sehen konkrete Ergebnisse ihrer Arbeit. Im Vergleich dazu berichten 40 Prozent der Beschäftigten in Administration und Industrie von monotoner Tätigkeit mit wenig Sinngehalt. Der Arbeits- und Organisationspsychologe Achim Elfering kommentiert die Studienergebnisse.
Als Professor an der Universität Bern erforscht Achim Elfering Stress, Gesundheit am Arbeitsplatz, Sicherheitsaspekte sowie Motivation und betriebliches Gesundheitsmanagement. SRF News fragt ihn nach dem Widerspruch zwischen empfundenem Stress in der Pflege und gleichzeitig hoher Erfüllung.
Elfering erklärt, dass Pflegekräfte es als Teil ihrer Berufsrolle ansehen, gute Arbeit zu leisten. Sie erleben Stolz durch den direkten positiven Einfluss auf die Menschen. Trotz Belastungen fühlen sie sich erfüllt, solange genügend Ressourcen vorhanden sind. Die soziale Verbindung und das sofortige Feedback in der Pflege verstärken das Gefühl von Erfolg.
Die Studie, durchgeführt vom Institut Sotomomehr mit über 4300 Teilnehmern aus der Schweiz, zeigt, dass direktes Feedback wichtiger als Gehalt für die Arbeitszufriedenheit ist. In der Administration wird geringe Zufriedenheit oft durch reduzierte Ansprüche ausgeglichen.
Ältere Beschäftigte empfinden ihre Arbeit als erfüllender, da sie mehr Gestaltungsspielraum haben. Der Healthy-Worker-Effekt zeigt, dass Unzufriedene den Beruf häufiger verlassen, was die Daten verzerrt.
Elfering betont, dass Zufriedenheit oft überbewertet wird und die Studie nur aktive Beschäftigte erfasst. Nicht jeder muss in seiner Arbeit Erfüllung finden; andere Lebensbereiche können ebenfalls bedeutsam sein. Das Gespräch führte Jenny Bargetzi.
SRF 4 News, 5.5.2026, 10:30 Uhr