Ein am Dienstag veröffentlichter Bericht deckt gravierende Mängel in der Herzklinik des Universitätsspitals Zürich auf. Diese betreffen die Amtszeit von Francesco Maisano, dem damaligen Klinikdirektor, gegen den schwere Vorwürfe erhoben werden.
Die Untersuchung wirft die Frage auf, ob das Verantwortungsniveau der Spitzenkräfte in Kliniken übermäßig hoch ist. Prof. Karl-Olof Lövblad, Präsident des Vereins der leitenden Spitalärzte der Schweiz und Professor für Radiologie an der Universität Genf, äußert sich dazu.
Lövblad beschreibt die Rolle eines Klinikdirektors als umfangreich, mit Zuständigkeiten in Lehre, Forschung, Dienstleistung und Administration. Die Verantwortlichkeiten im administrativen Bereich haben zugenommen, was zur Spezialisierung einzelner Direktoren führen kann.
Die Untersuchungskommission unter Leitung von Bundesrichter Niklaus Oberholzer und Herzchirurg René Prêtre bestätigte eine erhöhte Sterblichkeit bei rund 4500 Operationen zwischen 2016 und 2020. Dies deutet auf Führungs- und Systemfehler hin.
Lövblad sieht die Verantwortung als gestiegen an, betont jedoch die Notwendigkeit einer sinnvollen Aufteilung ohne interne Machtkämpfe. Die Rekrutierung von Spitzenfachpersonal ist entscheidend, doch es bedarf gewisser Standards in der administrativen Kompetenz.
Eine bessere Unterstützung für Chefärzte durch Management-Kurse wird als zukünftige Lösung angesehen, um Führungskompetenzen zu stärken. Lövblad weist darauf hin, dass oft das Bedürfnis nach guten zwischenmenschlichen Fähigkeiten unterschätzt wird.
Das Interview führte Livia Middendorp und erschien am 6. Mai 2026 um 06:00 Uhr.