Am frühen Morgen macht sich Sandro Zürcher, ein Jäger im Aargau, auf den Weg zu einem eingefangenen Waschbär. Dieses Tier hatte bereits die siebte Falle in zwei Jahren im kleinen Dorf Wil ausgelöst und dabei eine Nachricht an Zürchers Handy gesendet. Der Jäger arbeitet für die Sektion Jagd und Fischerei des Kantons Aargau, wo er das gefangene Tier mit einem Gewehr beseitigt. ‘Sie sind niedlich, können aber erheblichen Schaden verursachen’, erklärt Zürcher.
Thomas Amsler von der Sektion Jagd und Fischerei im Kanton Aargau ist zuständig für das Vogelschutzreservat am Klingnauer Stausee. Er beschreibt den Waschbären als einen äußerst geschickten Jäger, der nicht nur am Boden, sondern auch in Bäumen jagt.
Waschbären stellen eine Bedrohung für heimische Arten dar, weshalb sich die schweizerischen Behörden frühzeitig vor einer Invasion wie in Deutschland schützen. Sie können auch Häuser beschädigen, insbesondere im Dachstock, und Krankheiten wie den gefährlichen Spulwurm verbreiten.
Am Rand des Vogelschutzgebietes hat ein Hausbesitzer beim Reservatsaufseher Amsler nachgefragt. Ein Waschbär streift nämlich nachts im Garten herum, was Befürchtungen hinsichtlich möglicher Schäden weckt. Amsler setzt zwischen einem Gartenhaus und dem Teich eine Kastenfalle auf, mit Marshmallows und Rosinen als Köder. Doch der Waschbär wird sich hier nicht mehr zeigen; das Fangen ist aufwendig.
Im Vergleich zu Deutschland, wo es geschätzt zwei Millionen Waschbären gibt, sind sie in der Schweiz noch selten. Experten gehen jedoch davon aus, dass die Tiere nicht mehr vertreibbar sind und weiter verbreiten werden. Die genaue Zahl der Waschbären in der Schweiz ist unbekannt. Im Kanton Aargau hat sich die Anzahl der Abschüsse innerhalb eines Jahres von 27 auf 54 verdoppelt.
Als Neozoen gefährden diese aus Nordamerika eingeschleppten Tiere heimische Arten, besonders bei Amphibien und Vögeln. Sarah Hummel, Biologin der Schweizer Informationsstelle info fauna, sieht vor allem bedrohte Arten wie den Kiebitz in Gefahr.
Die Schweiz befindet sich am südlichsten Verbreitungsrand des Waschbären. Hummel prognostiziert: ‘In zwei bis drei Jahrzehnten könnten sie eine Dichte erreichen, die heute im Norden Deutschlands herrscht.’ Waschbären lassen sich nicht vertreiben, doch es ist möglich, ihre Ausbreitung zu verlangsamen.
Rundschau, 06.05.2026, 20:10 Uhr