Trotz eines angekündigten russischen Waffenstillstands haben Russland und die Ukraine ihren Drohnenkonflikt intensiv fortgesetzt, kurz bevor in Moskau der traditionelle Tag des Sieges begangen wird. Nachdem die Ukraine eine vorherige einseitig deklarierte Feuerpause aufgegeben hatte, führte sie einen ihrer bisher größten Drohnenangriffe durch als Antwort auf andauernde russische Angriffe.
Am Freitagmorgen um 0:00 Uhr Moskauer Zeit (Donnerstag 23:00 Uhr MESZ) sollte der von Russland ausgerufene Waffenstillstand in Kraft treten, der über zwei Tage während der Feierlichkeiten an den Sieg der Sowjetunion im Jahr 1945 andauern soll. Zu den Höhepunkten gehört eine Militärparade unter Leitung des Kremlchefs Wladimir Putin auf dem Roten Platz am Samstag. Moskau droht bei ukrainischen Störungen mit Angriffen auf Kiew und hat die ausländischen Diplomaten zum Verlassen der ukrainischen Hauptstadt aufgefordert, wie Aussenamtssprecherin Maria Sacharowa bekannt gab.
Das russische Verteidigungsministerium berichtete, dass in der Nacht 347 feindliche Drohnen abgewehrt worden seien. Diese Zahlen sind nicht unabhängig verifizierbar; jedoch ist es eine der höchsten jemals gemeldeten Zahlen. Fast alle Regionen West- und Zentralrusslands waren betroffen, einschließlich eines Angriffsziels in Perm am Ural, etwa 1.500 Kilometer entfernt von der Ukraine.
Ukrainischer Präsident Wolodymyr Selenskyj verteidigte die Angriffe trotz der einseitigen Feuerpause und kritisierte Russland für deren Bruch. «Wir schlugen eine Waffenruhe ab Mitternacht des 6. Mai vor», erklärte er in sozialen Netzwerken. «Russland hat diese Ruhe gebrochen, und unsere Reaktion sind Langstreckensanktionen» – gemeint waren Drohnenangriffe auf russisches Hinterland.
Selenskyj betonte zudem, dass die Ukraine diplomatische Wege einschlagen werde, wenn Russland dies ebenfalls tue. Dennoch kritisierte er Moskau für seine anhaltenden Tötungsaktionen und den irrationalen Drang nach Ruhe in Teilen von Moskau.
Die russische Armee griff laut ukrainischem Militär auch in der Nacht zum Donnerstag mit Kampfdrohnen an. Die ukrainische Luftwaffe ortete 102 Drohnen, von denen 92 abgefangen wurden, und meldete Einschläge an sechs Orten. Verletzungen wurden aus Charkiw und Cherson berichtet; die Angriffe dauerten bis zum Vormittag an. Eine ballistische Rakete wurde auf Dnipro abgefeuert.
In den über vier Jahren des von Putin angeordneten Konflikts gab es mehrere Feuerpausen während großer Feiertage, die stets als russische Entscheidungen präsentiert wurden. Der Kreml reagierte daher nicht auf Kiews Waffenstillstandsangebot. Kremlsprecher Dmitri Peskow bestätigte, dass Russland an seiner eigenen Waffenruhe am 8. und 9. Mai festhalten werde.
Diplomatische Bemühungen sind derzeit ins Stocken geraten, da die USA als Vermittler durch den Iran-Konflikt abgelenkt werden. Trotzdem ist ein Treffen des ukrainischen Nationalen Sicherheitsratschef Rustem Umjerow mit US-Sondergesandten Steve Witkoff in dieser Woche geplant.