Mediengruppen in der Deutschschweiz und wahrscheinlich auch im Tessin haben sich auf eine Branchenvereinbarung mit Mindeststandards geeinigt. Die Gewerkschaft Syndicom sowie der Deutschschweizer Verlegerverband unterstützen den neuen Vertrag, wie am Donnerstagmittag vom Verband Schweizer Medien (VSM) bekannt gegeben wurde.
Die Zustimmung erfolgte während der Mitgliederversammlung im Rahmen des Swiss Media Forums in Luzern. Mit einer deutlichen Mehrheit von 73 zu 4 Stimmen bei drei Enthaltungen haben die Verleger eine tragfähige Sozialpartnerschaft innerhalb der Branche befürwortet.
Diese Vereinbarung etabliert vorteilhafte Mindestarbeitsbedingungen für etwa 4000 Medienschaffende. Bereits im Vorfeld hatte die Gewerkschaft Syndicom zugestimmt, und auch die Gewerkschaft Impressum erachtet den Weg zur Vereinbarung als frei, wie es in der Mitteilung des VSM heißt.
Der Tessiner Verlegerverband, neu unter dem Namen Media Svizzeri, wird sich ebenfalls mit der Vereinbarung auseinandersetzen. Pia Guggenbühl, Direktorin des VSM, betont: «Angesichts des äußerst anspruchsvollen Marktumfelds ist die Vereinbarung ein klares Zeichen für verlässliche Rahmenbedingungen und stärkt die Attraktivität des journalistischen Berufsfelds.»
Der auf drei Jahre befristete Vertrag tritt in Kraft, sobald 75 % der betroffenen Mitarbeiter ihn angenommen haben. Nach Syndicom ist es ein «Kompromiss», den sie mit dem VSM ausgehandelt haben – ein erster Schritt hin zu einem umfassenden Gesamtarbeitsvertrag. Solch ein Vertrag, ähnlich jenen in der französischsprachigen Schweiz und bei SRG, bleibt das langfristige Ziel.
Syndicom hebt hervor, dass die Vereinbarung dem «Wildwuchs» der Arbeitsbedingungen ein Ende setzt und dringend benötigte Mindeststandards etabliert. Besonders Berufseinsteigern bringt sie Verbesserungen, da Einstiegslöhne nun über dem bisherigen Niveau liegen.
Trotz 30 Verhandlungsrunden blieben die Positionen für einen Gesamtarbeitsvertrag weit auseinander. Deshalb stimmten die Gewerkschaften der Branchenvereinbarung nur widerwillig zu, da sie freie Medienschaffende lediglich als «angemessen» honoriert sieht. Die Gewerkschaft Impressum bedauert dies, sieht aber dennoch in der Vereinbarung ein positives Signal und begrüßt, dass der VSM ein Orientierungshilfe-Papier für Freischaffende veröffentlicht hat.
Der letzte Gesamtarbeitsvertrag für Medienschaffende bei privaten Unternehmen in der Deutschschweiz und dem Tessin wurde 2004 von Verlegern gekündigt.