Die Erinnerung an die Corona-Pandemie wird wach, wenn man über das Hantavirus hört. Aktuell steht ein mit dem Virus infizierter Mann im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, der im Unispital Zürich behandelt wird. Dieser Patient war Teil der Besatzung des Kreuzfahrtschiffs Hondius und einer von mehreren Reisenden, die sich angesteckt hatten.
Moritz Suter, Mediensprecher des USZ, berichtete am Donnerstag über den Zustand des Mannes: “Er ist seit dem 4. Mai stabil.” Bekannt wurde zudem, dass der Patient das Schiff bereits am 24. April bei einem Halt in St. Helena verlassen hatte, zusammen mit 28 weiteren Passagieren. Dies war etwa eine Woche vor der Feststellung des ersten Falls auf dem Schiff.
Die niederländische Frau, die später in Johannesburg an einer Hantavirus-Infektion starb, hatte sich ebenfalls auf der Insel von Bord gemacht. Ihr Mann war zuvor unter ähnlichen Umständen verstorben, und auch ein Deutscher erlag der Krankheit.
Der Patient wurde im Unispital sofort entsprechend den notwendigen Schutzmassnahmen behandelt. “Die Symptome waren typisch für eine Hantavirus-Infektion: reduzierter Allgemeinzustand, leichtes Fieber, Gliederschmerzen und Husten,” erklärte Suter. Er wurde isoliert untergebracht, gemäß dem Protokoll für Viren mit respiratorischem Übertragungspotenzial, einschließlich einer Einheit mit kontrollierter Lüftung.
Die Quarantäne soll bis zu 45 Tage dauern. Wie gefährlich ist die Infektion nun? Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist möglich, jedoch selten selbst bei engem Kontakt im Haushalt, so Suter. Das Virus wird meist durch den Kot von Nagetieren übertragen.
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) sieht keine Gefahr einer neuen Pandemie. Es hält weiteren Ausbrüchen in der Schweiz wenig Chancen ein und betont das geringe Risiko für die Bevölkerung, da Übertragungen nur bei engem Kontakt erfolgen.
Simon Ming vom BAG erläutert gegenüber Nau.ch, dass frühere Fälle von Mensch-zu-Mensch-Übertragungen in der Regel mit längerem engen Kontakt zusammenhingen. Die Ansteckung scheint in der frühen Krankheitsphase am wahrscheinlichsten.
Isabella Eckerle, Virologin aus Genf, äusserte sich gegenüber SRF: “Dieser Fall hat keine Relevanz für die Allgemeinheit und ist kein Zeichen für eine nächste Pandemie.” Sie betont jedoch die Tragik der Situation. Die erhöhte mediale Aufmerksamkeit sei durch die jüngsten Erfahrungen mit dem Coronavirus bedingt.
Manuel Schibler, Virologe an den Genfer Universitätsspitälern, sieht das Risiko einer Epidemie als gering ein. Die WHO bestätigt ebenfalls eine geringe Gefahr im Vergleich zum Coronavirus; Ansteckungen seien nur bei direktem und längerem Kontakt möglich.
Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC warnt jedoch vor Vorsicht und empfiehlt präventive Massnahmen. Personen mit Symptomen sollten sich testen lassen, da die Inkubationszeit bis zu sechs Wochen betragen kann.