Mit 82 Jahren verstarb der Mathematiker und Programmierer Bruno Stanek. Seine Rolle als einer der ersten Experten, die den Weltraum der Schweizer Bevölkerung näherbrachten, bleibt unvergessen. Bruno Staneks Bekanntheit verdankt er vor allem einem historischen Moment: Als am frühen Morgen des 21. Juli 1969 Neil Armstrong als Erster auf dem Mond landete, kommentierte der damals 25-jährige Wissenschaftler an der ETH dieses bahnbrechende Ereignis live im Fernsehen. Seine Einschätzung, dass Science-Fiction zur Realität wurde, hallte nach – fast eine Million Zuschauer verfolgten die Sendung aufmerksam und vertrauten Staneks Erklärungen. Dass das Schweizer Fernsehen die Aufnahmen später löschen würde, machte seine Übertragung zu einem legendären Moment. Bruno Stanek stammte aus Rorschach am Bodensee. Bereits als Kind, angeleitet von seinem Vater, entdeckte er den Sternenhimmel und fragte sich über einen besonders hellen Stern nach. Er rechnete später zurück: Es musste Jupiter gewesen sein. Später durchstöberte Stanek in St. Gallen Antiquariate auf der Suche nach Astronomie-Büchern. An der ETH machte er als Student erste Berechnungen am Computer und lauschte den Sendungen der „Voice of America“, die astronomische Expeditionen übertrugen. Staneks Rolle als Experte wurde besonders wichtig, als das Fernsehen an Popularität gewann. Er interpretierte nicht nur den Weltraum, sondern trug mit seiner Präsenz bei Übertragungen zur Verständlichkeit einer komplexer werdenden Welt bei. Ähnlich wie Hans A. Traber die Natur erklärte oder Bernhard Russi Skirennen kommentierte, machte Stanek den Weltraum für das Publikum greifbar. Stanek wusste sich als Autorität zu inszenieren: Er trug Kopfhörer in Übertragungen und präsentierte sich oft neben einer Weltkugel oder vor Mondlandschaften. Mit einem Erklärstock zeigte er auf Nachbauten von Raumschiffen und vermittelte so das Gefühl, direkt mit den Astronauten verbunden zu sein. Sein Interesse an Mathematik begründete Stanek damit, dass sie Einblick in die innere Funktionsweise des Gehirns biete. Er konnte seine wissenschaftlichen Kenntnisse einfach und anschaulich vermitteln: So erklärte er etwa, warum die Fingernägel auf dem Mond langsamer wachsen würden. Auch nach der Blütezeit der Raumfahrt blieb Stanek im Rampenlicht. Er wurde ein freischaffender Autor für Bücher und Software und hielt nach eigenen Angaben tausenddreihundert Vorträge. Sein universales Interesse verglich er mit dem von Leonardo da Vinci. Trotz des Verlusts an Autorität behielt Stanek sein Selbstbewusstsein: 1994 kommentierte er in der „Tagesschau“, Bürokraten hätten die Pioniere bei den Mondexpeditionen verdrängt. Dennoch hoffte er auf neue Raumfahrtunternehmungen, da sie Menschen enorm inspirieren könnten, besonders in einem von ihm als kleinlaut bezeichneten Land wie der Schweiz. 2009 prognostizierte er im „Tele Top“, dass auf dem Mars Millionen Menschen gut leben könnten, während der Mond eher zu einer industriellen Region werde. In seinen späteren Jahren kommentierte Stanek auch Weltgeschehenstrends und äußerte sich zunehmend verschwörungstheoretisch. Er glaubte an eine Herrschaft von „Globalisten“, sah George Soros als Einflussnehmer in Washington und betrachtete den Klimawandel als Mythos. Auch im hohen Alter hoffte er weiterhin auf neue Raumfahrtmissionen. Bruno Stanek starb am 5. Mai, kurz vor seinem 82. Geburtstag.